Geschrieben von: Tina Maurer   

Champagnerbomben statt Zuwendungen

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Meine Mutter hat schon immer gesagt, ich hätte ein Problem mit Obrigkeit. Mag sein. Auf jeden Fall habe ich so langsam ein Problem mit der deutschen Politik und ihren Auswirkungen. Dank amerikanischem Vorbild und berufsmäßigen Spaßbremsen verkommt Deutschland zu einem Land von Angsthasen und Griesgramen. Und dann wundert man sich, wenn uns andere Länder bei den Patentanmeldungen überholen, die Zahl der psychisch Kranken stetig zunimmt und unsere Jugendlichen ausflippen.

Ehrlich – ich könnte auch ab und zu ausflippen, zum Beispiel wenn ich Zeitung lese oder irgendwelche Talkshows anschaue. Es geht uns so gut wie nie, die Krise ist überwunden, die Arbeitslosenzahl auf ein historisches Tief gesunken in der gemeinsamen deutsch-deutschen Geschichte – was machen wir? Wir wälzen uns in Zukunftsängsten, Weltuntergangszenarien und schlagen uns monatelang, wenn nicht jahrelang, mit kleinen und kleinsten Entscheidungen herum. Es wird reguliert und stranguliert auf Teufel komm raus und dabei abkassiert. Welche Perspektive soll das jungen Menschen geben? Ich warte auf den Tag, an dem man höhere Krankenkassenbeiträge zahlen muss, wenn man Highheels trägt.

Vor ein paar Jahren konnte man diese ungesunde Entwicklung noch darauf schieben, dass an den Schaltstellen der Macht alte Männer mit Prostataproblemen saßen, aber inzwischen tummeln sich dort auch jede Menge jüngere Männer und sogar Frauen aller Altersgruppen. Was fehlt denen eigentlich? Sie zanken und streiten, suchen den so genannten Konsens. Jede Entscheidung muss möglichst noch auf den letzten möglichen Wähler aus Kleindingsbums abgestimmt werden. Zusätzlich müssen die Pfründe gewahrt bleiben. Nur verantwortlich sein will keiner.

Deutschland diskutiert, China handelt

Eines muss man neidlos anerkennen: Wutbürger, Gutmenschen, Hand-auf-Halter mit Versorgungsmentalität, Angsthasen und Griesgrame haben den Marsch durch die Institutionen geschafft und sind in der Politik angekommen. Tragik der Geschichte – viele von ihnen waren einmal ziemlich revolutionär, damals, anno 1968. Heute geht es ihnen nur um ihre eigene, kleine, überschaubare Welt. Ihr Sendungsbewusstsein haben sie dabei nicht verloren. Nach wie vor sind sie davon überzeugt, dass ihre Weltanschauung die einzig richtige und selig machende ist.

So mancher kann sich inzwischen einer leichten Panik nicht erwehren. Es steht zu befürchten, dass jeglicher Fortschritt und jegliche Veränderung auf dem Altar des Konsenses und der Angst vor dem Verlust der Macht geopfert wird. Die allerorten geplante Bürgerbeteiligung wird das nicht besser machen. Haben größere Projekte bisher zehn Jahre gedauert, werden es bald 20 sein, wenn überhaupt noch etwas verwirklicht wird, das größer als ein Einfamilienhaus ist. Deutschland diskutiert, die Chinesen handeln.

Die, die dem Luxus frönen, egal auf welcher Ebene, wird es besonders hart treffen, wenn erst die Wutbürger, Gutmenschen, Angsthasen und Griesgrame den Konsens diktieren. Zwei Eigenschaften sind bei ihnen nämlich stark ausgeprägt: Neid und Sendungsbewusstsein. Auto mit Sportauspuff, Motorrad, Alkohol, Zigarren, Gänsestopfleber, Pelz, Flugreisen, Yacht, Geld? Alles politisch nicht korrekt oder ungesund. Weg damit! Eine kleine Hoffnung bleibt: Wer genug Luxus- oder wie auch immer genannte Steuern bezahlt, darf darauf hoffen, dass er seinen Lastern weiterhin frönen darf, zumindest noch eine Zeitlang. Schließlich braucht der Staat Geld, um die Wohltaten für all jene auszuschütten, die sich als die einzig Aufrechten sehen. Es wird Zeit, dass diejenigen, die diesen ganzen Mist zahlen, zum Gegenangriff übergehen.

 

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