Geschrieben von: Andrea Przyklenk   

Wider die Spaßbremsen

Bild: Gabi Schönemann_Pixelio

Neulich fiel mir ein Buch in die Hände, in dem sich ein Unternehmer im Selbstverlag über die Schlechtigkeit der Welt – darf man das Wort schreiben? – auskotzte. Der Bogen war weit gespannt. Der Autor hat nichts ausgelassen: Werteverfall, mangelndes Gesundheitsbewusstsein, Raffgier, Umwelt, alkoholisierte Jugendliche usw. Rein und besserwisserisch schwebt er über allem. Und natürlich fand er auch die Sucht nach Luxus und Spaß verwerflich.

Ich bin auch kein Anhänger der so genannten Spaßgesellschaft, wenn sich der Spaß in Saufgelagen, schlechtem Benehmen und Faulheit erschöpft, aber Spaß und Freude am Luxus sind doch nicht per se verwerflich. Abgesehen davon, dass zum Beispiel die Freude am Sammeln von schönen Dingen wie Uhren oder Antiquitäten niemand schadet; der Besuch in einem Sterne-Restaurant niemand weh tut und der Genuss eines exquisiten Champagners nichts mit Protzerei zu tun hat, kommt es immer darauf an, wie man Spaß hat. Luxus, der in Angeberei und Protzerei ausartet, Besitz, der verwendet wird, um anderen zu schaden, ist sicherlich verdammenswert, aber wie viele von denen, die viel Geld haben oder Geld für Luxus ausgeben, tun das? Gut, die B- bis Z-Promis laben sich am Luxus anderer, weil sie selbst kein Geld dafür haben, aber weh tut das eigentlich auch niemand. Wer sie finanzieren will, ist selbst schuld.

Bild: Andreas Müller_Pixelio

Neid tötet Spaß

Bei dem Buchautor und bei einigen anderen Luxus-Kritikern kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es eher darum geht, dass sie selbst etwas in ihrem Leben vermissen. Den Spaß und die Freude am Leben? Weil sie das nicht haben, sollen es auch die anderen nicht haben. Weil man das so nicht sagen oder zugeben kann, versucht man es über die moralische Schiene und beschwört zusätzlich das Elend auf der Welt.

Im Übrigen ist diese Anti-Spaß-und-Luxus-Haltung eine, die man in allen Bereichen findet. Kauft man sich ein Cabrio, stehen die Missmutigen und Neider daneben und fragen, ob es denn sinnvoll sei, ein Auto zu kaufen, in dem nur zwei Leute fahren können und in das keine Wasserkiste passt.

Bild: S.Hofschlaeger_Pixelio

Leistet man sich ein schnelles Auto, raufen sie sich ob des vermuteten Kohlendioxid-Ausstoßes die Haare. Kauft man sich ein ausgefallenes Paar Stiefel, weisen sie nörglerisch daraufhin, dass man schon fünf Paar Stiefel besitze. Wagt man es, sich im Winter ein Schälchen Erdbeeren zu kaufen, rechnen sie vor, welch gigantischen ökologischen Fußabdruck der Transport auf der Erde hinterlassen hat. Probiert man einmal im Leben eine Flasche Rotwein für 500 Euro, rechnen sie vor, wie viel Euro ein Schluck kostet und dass dieses Geld doch viel sinnvoller eingesetzt werden könnte, zum Beispiel für eine Spende für Afrika. Besonders die Argumente mit der Umwelt und den Armen soll den Luxus-Anhänger dazu bringen, ein schlechtes Gewissen zu entwickeln. Lässt er das zu, hat er keinen Spaß mehr an dem, was er tut oder kauft. Die Spaßbremsen haben ihr Ziel erreicht.

Im Keller lachen

Armselig, kann ich da nur sagen. Denn in der Regel sind die größten Spaßbremsen nicht arme Leute, sondern Leute, die sich durchaus den einen oder anderen Luxus leisten könnten und das auf anderer Ebene auch tun. Doch aus irgendeinem Grund, der für andere meistens nicht offensichtlich ist, wollen sie sich weder gut fühlen noch sich etwas Gutes tun. Und da müssen die anderen, besonders die, die Spaß haben, eben mitleiden.

Die Spaßbremsen trachten deshalb nicht nur danach, anderen den Luxus zu vermiesen, sondern die Freude an so ziemlich allem, sogar an einem Abend in fröhlicher Runde. Sind sie dummerweise eingeladen worden, werden sie sicher etwas finden, mit dem sie den anderen die gute Laune zu verderben suchen und seien es die „unmenschlichen Bedingungen“, unter denen Spargel gestochen wird. Meine Mutter sagt in solchen Fällen immer „die gehen zum Lachen in den Keller“. Und genau da sollte man sie meiner Meinung nach auch lassen.

 
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