Geschrieben von: Andrea Przyklenk   

Kerl oder Christbaum?

Bild: David Beckham Calendar 2006

Spätestens seit es Rap-Musik und die dazu gehörigen Musiker gibt, und Homosexualität in ist, kann man sich die Frage nach dieser Alternative getrost sparen. Mann hat endlich sein Herz für Schmuck entdeckt und behängt sich schamlos vom Ohr über die Brust und das Handgelenk bis hin zu seinem besten Stück.

Dagegen haben wir Frauen im Prinzip auch nichts einzuwenden. Schließlich behängen wir uns selbst gern. Je teurer desto lieber. Also weshalb sollten sich unsere Männer nicht die Rolex ums Handgelenk drapieren oder den Ring aus Platin an den Finger stecken? Und schließlich trägt selbst Fußball-Ikone und Trendsetter David Beckham ungeniert die Brillis im Ohr. Nach allem, was man weiß, ist er trotzdem ein Kerl.

Pimpen und protzen

Nein, wir haben nichts dagegen, wenn sich unsere Kerle mit teurem Schmuck behängen. Leider heißt teuer noch lange nicht stilvoll. Ich hasse Männer, die an neun ihrer zehn dicken Finger (Männerfinger sind nun mal klobiger) einen fetten Siegelring oder so ein viereckiges Goldteil mit einem Ungetüm von Stein tragen. Das sieht plump und billig aus – egal welches Vermögen die Ringe gekostet haben. Eine schöne Uhr am Handgelenk ist überhaupt kein Diskussionsthema, aber muss es im Ohr unbedingt ein Brilli sein? Täte es nicht auch ein dezentes Platin- oder sogar Stahlringchen?

Damit nicht genug! Es gibt ja noch diese Offenes-Hemd-über-Brustbehaarung-Typen. Wenn die dann noch eine mehrreihige Goldkette mit großen Gliedern über ihr verschwitztes Brusthaar im Designer-Hemd baumeln lassen, wird mir ganz schlecht. Ist das Brusthaar schon leicht ergraut, geht gar nix mehr. Dann doch lieber einen verschwitzten, mit Blut verschmierten Bruce Willis im Feinripp und ohne Goldkette in Stirb langsam 1 bis 4.

Dezent und stilvoll bitte!

Mein Problem mit den behängten Typen ist: Es ist mir zu viel und kollidiert oft genug mit meiner Vorstellung von männlich. Ja, ich bin da konservativ, ich gebe es zu. Dabei gibt es doch wirklich mittlerweile Schmuck und Accessoires für Männer, die schön aussehen und der Männlichkeit keinen Abbruch tun – sie eher untermauern. Es spricht auch nichts gegen einen Siegelring. Einen! Muss man denn unbedingt protzen? Ist das mit den Goldketten in den offenen Hemden und den acht Siegelringen etwa dasselbe Phänomen wie mit den Sportauspüffen?

Drückt sich Luxus nur in den Euros oder Dollars aus, die das Schmuckstück gekostet hat? Ist Luxus nicht auch Stil? Ich finde, man sollte das eine nie vom anderen trennen. Ja, und zum Typ passen sollte der Schmuck auch. Der Stuttgarter Stilberater Ruben D’Laguna Diaz ist ebenfalls dieser Meinung. So findet er zum Beispiel für einen Fußballer wie Cacau, dessen Stil auch abseits des Rasens eher sportlich ist, auffälligen Schmuck eher unpassend. Während er Kevin Kuranyi zum Beispiel Armbänder in Rockermanier empfiehlt.

Finde ich auch: Lederarmbänder, von Dolce und Gabbana veredelte ID-Plaketten der Army, Anker, Adler und andere den Tatoos abgeschaute Motive in Edelstahl als Kettenanhänger, aufwändige Gürtelschließen (aber bitte ohne Brillis) etc. passt besser zu einem Kerl als eine fette Goldkette um den Hals. Gute Ideen findet man auch bei Fossil – Mann kann ja dann seinen Lieblingsjuwelier triezen, damit er ihm etwas Vergleichbares (aber Teureres) entwirft, wenn er unbedingt Pimpen will.

Na ja, und mal ganz ehrlich: Wenn Mann unbedingt zeigen will, wie viel Kohle er hat, könnte er das auch tun, indem er Frau 1.000 Euro für Schuhe in die Hand drückt oder ihr einen Brilli fürs Ohr kauft.

 

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