Geschrieben von: A. Przyklenk und M. Brückner   

Bartipps: Auf der Suche
nach flüssigen Werten

Die DAXx Mainhattan's Bar

Bild: Michael Brückner

Der kultivierte Genießer, für den Spirituosen und Weine eine Frage der Klasse und nicht der Masse sind, weiß immer, wohin er geht, wenn er auf einen Erfolg anstoßen möchte, oder wenn es die Welt wieder einmal böse mit ihm meint. Einige der bevorzugten Refugien stellen wir auf "www.luxus-momente.de" regelmäßig vor. Hier einige Kostproben.

"DAXX-Bar" in Frankfurt: Für Bullen und Bären

Unter Whiskyfreunden hat das Frankfurter Hotel Interconti einen ganz besonderen Ruf: Immerhin treffen sich dort einmal im Jahr alle, die aus Profession oder Passion mit dem bernsteinfarbenen Edelbrand zu tun haben.

In der Nobelherberge zwischen Hauptbahnhof und Main, die von außen sicher nicht eben zu den architektonischen Highlights der Finanzmetropole gehört, steht regelmäßig im November die InterWhisky-Ausstellung auf der Agenda. Doch auch den Liebhabern anderer Nobel Drinks sei ein Besuch im Interconti empfohlen, denn die DAXX-Bar in der Hotel-Lobby ist sicher ein Refugium, in das sich der Genießer edler Spirituosen, Cocktails und Weine gern zurückzieht. Die Gäste sitzen in bequemen Sesseln und beobachten - sofern sie nicht in Gespräche mit Geschäftspartnern vertieft sind - das Geschehen in der Hotelhalle. Trotz dieser Nähe zum Laufsteg zwischen Rezeption und Fahrstühlen ist man jedoch weit genug entfernt, um auch vertrauliche Gespräche führen zu können.

Bild: Michael Brückner

Als "Mainhattan´s Bar" wird dieser Ort der hochprozentigen Genüsse bezeichnet - und die Analogien zur Welt der Finanzen kommen nicht von ungefähr. Die steil in den hessischen Himmel emporschießenden Hochhäuser der führenden deutschen Banken sind nicht weit entfernt, und die Europäische Zentralbank (EZB) ist sogar bei einem nur halbwegs sportlichen Gang in gut fünf Minuten erreichbar. Gleich um die Ecke hat eine große Fondsgesellschaft ihren Sitz, und die ersten Adressen entlang des Mainufers liegen gleichsam vor der Haustür. Die Nähe zum Hauptbahnhof macht die DAXX-Bar überdies zu einem entspannenden Zufluchtsort für gestrandete Opfer mangelnder Pünktlichkeit deutscher ICE-Züge. Nicht aufregen, einfach die Zeit nutzen, in Mainhattan´s Bar einen Single Malt genießen und den unfreiwilligen Aufenthalt als ein Geschenk ansehen. Für den alkoholischen Quickie nimmt man am besten auf einem der Fauteuils vor dem Tresen Platz.

Apropos Single Malt: Der Gast hat die Wahl unter nicht weniger als 70 Whisk(e)ys, wobei der Schwerpunkt klar auf Single Malts liegt. Über 40 dieser Top-Brände aus allen Regionen machen die Wahl zur Qual. Einige außergewöhnliche Blended Scotchs und Bourbons runden das Angebot auf das Angenehmste ab. Auch Weinfreunde werden auf gute Qualitäten stoßen, was bekanntermaßen in Hotelbars nicht immer der Fall ist. Der Service ist professionell und flott. Eine Frage indessen bleibt ungeklärt: Für was steht das zweite X beim DAXX?

www.frankfurt.intercontinental.com

"Lumen" in Wiesbaden: Genussvoll abtauchen im Ufo

Den Marktplatz in Wiesbaden könnte man sozusagen als Herzkammer der hessischen Landeshauptstadt bezeichnen. Rathaus und Landesparlament liegen hier dicht beieinander, die mondäne Wilhelmsstraße ist nur wenige Minuten entfernt. Zwar kann Wiesbaden in Sachen Geschichte nicht mit dem benachbarten Mainz konkurrieren, doch am Marktplatz inhaliert der Besucher schon reichlich Stadt-Historie.

Manchen erschien das Restaurant "Lumen" mitten auf diesem geschichtsträchtigen Platz daher zunächst wie ein fehlgeleitetes Ufo, das ausgerechnet hier notlanden musste. Der moderne Glasbau ist in diesem Umfeld gewöhnungsbedürftig, zumindest aber erklärungsbedürfig. Und die Erklärungen liefert das Team um Inhaber Joachim Kettner: Das Lumen stehe - nomen est omen - für Transparenz und Licht. Natürliches Licht, das den ganzen Tag über durch die gläserne Fassade des Restaurants falle, und künstliches Licht, das vor allem entlang des 15 Meter langen Bar-Tresens für attraktive Farbeffekte sorgt.

Transparenz und Licht "Lumen"

Bild: Michael Brückner

Ganz gleich, wie man zum modernen Design des "Lumen" stehen mag, sowohl das Restaurant als auch die bemerkenswerte Bar machten es in Wiesbaden und Umgebung schnell zu einer Institution. Mitunter sind sogar Mainzer dort anzutreffen, was angesichts der vor allem an den Fastnachtstagen gern instrumentalisierten Hassliebe zwischen den Bewohnern der beiden Landeshauptstädte nicht selbstverständlich ist, immerhin zieht es die Mainzer vorrangig in die zahlreichen Weinkneipen der Stadt am Rhein.

Natürlich: Akzeptable Weine gibt es auch im "Lumen" - in erster Linie aber reichlich Whisk(e)ys. Immerhin über 100 Brände stehen zur Wahl, darunter überwiegend Single Malts, gut sortiert nach Regionen. Bemerkenswert stark vertreten sind Islay-Whiskys. Daneben kann der Genießer unter zahlreichen Raritäten wählen. Äußerst bescheiden nimmt sich hingegen das Angebot an wirklich guten Cognacs aus. Die Palette an Wodkas bleibt ebenfalls überschaubar. Dafür gibt es aber immerhin 100 Cocktails. Kurzum: Das "Lumen" ist ein echter Lichtblick.

www.lumen-wiesbaden.de

Bar-Talk im Kunstmuseum

Das 2005 eingeweihte Stuttgarter Kunstmuseum ist nicht zu übersehen. Es liegt direkt am zentralen Schlossplatz der Landeshauptstadt, gegenüber dem Neuen Schloss. Der riesige Glaskubus, der eigentlich nur den Eingang des Museums bildet, das sich in einem stillgelegten Tunnelsystem befindet, dominiert die Szene in harmonischer Weise. Gleich im Erdgeschoss befindet sich auf der linken Seite die o.T. Bar Lounge. In Stuttgart eine der wenigen Bars, die keine Hotelbars sind - und vor allem, die auch höheren Ansprüchen genügen.

Die o.T. Bar genügt auch höheren Ansprüchen.

Bild: Andrea Przyklenk

Betreiber der Bar ist die Rauschenberger Gastronomie aus Waiblingen. Andreas Rauschenberger, zuständig für Marketing, erläutert das Konzept der Bar, die bereits morgens um 10 Uhr, gemeinsam mit dem Kunstmuseum, öffnet: "Die Bar liegt mitten in der Stadt, in außergewöhnlicher Umgebung. Wir sehen sie als Schleuse zwischen der Hektik der Straße und der Ruhe des Museums, mit spannenden Ausblicken in beide Richtungen. Bis 18 Uhr sind wir eine klassische Espressobar. Es gibt American Bakery und kleine Snacks. Natürlich können unsere Gäste auch aus Wein, Champagner, Longdrinks und um die 350 Einzelspirituosen wählen. Cocktails servieren wir ab 18 Uhr."

Bild: Andrea Przyklenk

Barchef Dino Zippe legt Wert darauf, dass in seine Cocktails nur frische und beste Zutaten kommen. Zwei "Cocktails der Woche" kreiert der Barchef seinen Gästen regelmäßig selbst. Dabei verlässt er sich auf den eigenen Geschmack und die eigene Fantasie. Selbst wenn dabei exotische Kreationen mit frischen Früchten, Chili und Koriander entstehen, trifft Dino Zippe meistens den Geschmack seiner Gäste. Als Erfrischung an einem Sommertag empfiehlt sich die Gin-Tonic-Mischung mit frischer Gurke und einer Prise Pfeffer. Lecker, schmelzend zart und doch frisch präsentiert sich der Cocktail aus Cognac mit dezentem Vanille-Geschmack, Ananas- und Zitronensaft, Zuckersirup und frischer Passionsfrucht. Champagner wird offen und flaschenweise serviert. Neben einem Lanson Rosé wird der selbst importierte "Cuperly" angeboten - übrigens kalt, was in der Stuttgarter Barszene durchaus nicht selbstverständlich ist. Serviert wird auch auf der Terrasse. Von dort kann man in aller Ruhe bei einem Glas Champagner dem lebhaften Treiben auf dem Schlossplatz zuschauen.

Die Unterhaltung kommt in der o.T. Bar verträglich daher: tagsüber leise Hintergrundmusik, abends unaufdringliche Barmusik, so dass man sich ohne zu Schreien mit dem Gegenüber unterhalten kann. In den Wintermonaten gibt es mittwochs und donnerstags Livemusik der angenehmen Art. Freitags und samstags kümmern sich wechselnde DJs um die Musik. Eine Besucherin: "Das o.T. ist ein Ort, an dem sich auch Leute über 40 wohlfühlen und amüsieren können." Abgesehen von den lokalen Politgrößen trifft man im o.T. übrigens auch die Fußballer des VfB Stuttgart, seit Neuestem mit Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann, oder Mercedes-Sportchef Norbert Haug, wie Dino Zippe sagt: "Ein wirklich netter, lustiger Mensch." Und was trinkt er? "Er hat eine Vorliebe für Whisky", bleibt der Barchef vage.

Tipp: Die Rauschenberger Gastronomie betreibt auch das im obersten Stock des Kunstmuseums gelegene Restaurant "Cube", das Pacific Rim Cuisine anbietet. Mittags gibt es ein Tagesessen, das auch Bargäste ordern können. Die Aussicht über die Stuttgarter Innenstadt und die umgebenden Hänge ist neben den Fähigkeiten des Küchenteams Garant für ein außergewöhnliches Mal.

www.cube-restaurant.de

C comme Champagne, Epernay: Prickelnder Charme

Eine Bar für die Liebhaber des Luxusgetränks im Herzen des Anbaugebiets hat einen besonderen Reiz, ist man doch sozusagen vor Ort. Außerdem hat die Bar den großen Vorteil, dass man nicht jedes Champagnerhaus zur Verkostung abklappern muss, denn in der Bar "C comme Champagne" hat man alle an einem Ort.

Und das sind längst nicht alle Vorteile, die die Bar mitten in Epernay, in der Rue Gambetta 8, zu bieten hat. Man kann sich hier nicht nur in einen der Sessel werfen, Zeitung lesen, neben sich einen Kühler mit einer Flasche Champagner, sondern auch Verkostungen machen und danach im Keller der Bar auf Einkaufstour gehen.

"C comme Champagne"

Bild: Andrea Przyklenk

Im Keller der Bar sind in Regalen übersichtlich angeordnet über 200 verschiedene Champagner von 48 Herstellern zu finden. Die Aufteilung erfolgt nach Familien. Über dem Regal findet sich ein Foto der Herstellerfamilie oder des Weinguts, darunter die verschiedenen Produkte. Ab und an ist auch ein Wein darunter. Der Champagner dominiert eindeutig, obwohl zum Beispiel der "Bouzy Rouge" sowie die Weiß- und Roséweine durchaus schmackhaft sind. Der Kunde bezahlt pro Flasche einen Euro mehr als direkt beim Hersteller. Die Hersteller kommen für die Grundfinanzierung der Bar mit ihrem Mitgliedsbeitrag auf.
Oben in der Bar kann man die Kellerschätze bei einer Verkostung probieren und sich so die passenden Flaschen vormerken. Die Verkostung von fünf Champagnern schlägt mit 15 Euro zu Buche.

Bild: Andrea Przyklenk

Einfacher ist es, Aurelies Charme und ihrer Sachkenntnis zu vertrauen. Außerdem ist Aurelie so prickelnd wie das Getränk, das sie serviert, und steigt den männlichen Barbesuchern genauso zu Kopf. "Champagner muss kalt serviert werden", sagt Aurelie, "und kann sogar auf Eis gelegt werden." Blanc de Blancs würde man gern als Aperitif trinken, weil er leicht und spritzig sei. Auf unsere Frage, ob denn nicht auch ein Rosé als Aperitif empfehlenswert sei, blickt sie uns streng an: "Rosé trinkt man nach dem Essen." Wir fragen uns kurz, weshalb uns in den letzten Jahren ständig von irgendwelchen Kellnern ein Rosé-Champagner zum Aperitif angeboten wurde und beschließen dann, es mit Aurelie zu halten: "Man kann immer Champagner trinken, egal ob mit oder ohne Essen und egal zu welchen Speisen."

www.c-comme.fr

Tipp: Wer vom morgendlichen Zeitungslesen bei einem Fläschchen Champagner erschöpft und hungrig ist, sollte ein paar Häuser weiterziehen, in die Nummer 16 ins Restaurant "La Cave à Champagne". Es ist winzig. Ein bisschen macht es den Eindruck, als habe es die 50er Jahre überlebt, aber das Essen ist einen Besuch wert. Die Küche ist grundsätzlich bodenständig, aber überraschend fantasievoll und mitunter mit ungewöhnlichem geschmacklichem Zusammenspiel.

www.la-cave-a-champagne.com/

 
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