Geschrieben von: Andrea Przyklenk   

Dem Schweizer Wein auf der Spur

Gemeindekeller von Erlach

Gemeindekeller - Erlach

Immerhin etwa 1,1 Millionen Hektoliter Wein werden in der Schweiz jährlich produziert, davon knapp über 50 Prozent Weißwein. Die Rebfläche beträgt insgesamt 15.000 Hektar, davon drei Viertel in der Westschweiz. Im Ausland existiert der Schweizer Wein so gut wie nicht – nur ein Prozent wird exportiert. Wer durch die Schweiz reist, sollte unbedingt die Weine vor Ort probieren, denn es gibt immer wieder Überraschendes zu entdecken.

Schweizer Wein

Wein aus dem Drei-Seen-Land

Auch in der Drei-Seen-Region (Bieler See, Murtensee, Neuenburger See) gibt es fast 1.000 Hektar Rebfläche. Oft ziehen sich die Weinberge die Hänge des Jura hinunter bis an die Seen. Hier lässt sich Urlaub und Weinverkostung hervorragend verbinden. Von Biel nach La Neuveville zum Beispiel gibt es einen gut ausgeschilderten Rebenweg. Von Biel aus verkehren Kursschiffe entlang dem Nordufer des Bieler Sees, das von hübschen Winzerdörfern gesäumt wird, bis zu den westlichen Seearmen nach La Neuveville oder Erlach und zur romantischen Petersinsel, die man sich auch von Erlach aus erwandern kann.

Der Neuenburger See mit der Stadt Neuenburg und ihrem französischen Charme sind ebenso einen Besuch wert wie Murten mit seiner geschichtsträchtigen Vergangenheit. Biel ist außerdem ein Zentrum der Schweizer Uhrenindustrie und das „Watch Valley“ ist nicht weit. Käse wie der Tête de Moine und der Vacherin Mont d'Or und der Absinth sind ganz in der Nähe zuhause.

Im Gemeindekeller von Erlach

Peter Stettler

Wir sind nach einer Wanderung auf dem Chasseral, mit 1.607 Meter der dominante Aussichtsberg der Jurakette, in Erlach hängengeblieben, ein winziger Ort mit gerade einmal 1.200 Einwohnern, aber jeder Menge Wein. Knapp über 113 Hektar Rebfläche gehören zur Gemeinde. Wenn man durch den Ort schlendert, fällt als erstes der „Gemeindekeller“ ins Auge. Wer denkt, hier werden Genossenschaftsweine präsentiert, irrt sich, wie uns Winzer Peter Stettler versichert. Zwar handelte es sich beim Gemeindekeller einst um eine Einrichtung der Gemeinde, mittlerweile findet man hier aber nur die Produkte aus den Stettler'schen Weinbergen, die rund zwei Hektar umfassen. Angebaut werden 55 Prozent Pinot Noir, 35 Prozent Chasselas und zehn Prozent Chardonnay.

Weinverkostung durch Peter Stettler.
Im Keller finden Verkostungen und Veranstaltungen statt. Von November bis März, wenn der junge Wein ruht, werden die beliebten Treberwurstessen angeboten. Dabei wird die Wurst im Treberdampf gegart und mit Kartoffelgratin serviert. Peter Stettler veranstaltet auch Führungen durch die Weinberge, bei denen die Teilnehmer alles über das Weinjahr und die Kelterung erfahren. Den Abschluss bildet eine Weinverkostung. Noch nicht lange gibt es „Weinerlebnis aktiv“, bei dem sich Gruppen, zum Beispiel im Rahmen von Teambuildingmaßnahmen, aktiv an der Arbeit im Weinberg beteiligen können.

Erlach
Von Rebhuhnaugen und guten Roten

Und der Wein? Der kann es durchaus mit Produkten von der anderen Juraseite aufnehmen und auch mit so manchem deutschen Wein. Geschmeckt hat uns der Oeil de Perdrix (deutsch: Rebhuhnauge) von Peter Stettler, ein lachsfarbener Rosé, ursprünglich aus Neuenburg, gekeltert aus Pinot Noir (Spätburgundertrauben) und der Pinot Noir Reserve du Patron von 2009, und nicht zu vergessen der Chasselas, ein ganz typischer Schweizer Wein.

Aber der Gemeindekeller von Peter Stettler ist längst nicht alles, was Erlach oder gar der Bieler See an Wein zu bieten haben, schließlich gibt es am Bieler See über 80 Weinbaubetriebe. Bei Fredi Marolf, am Ortsausgang von Erlach Richtung Ins, war es der Pinot Noir aus dem Barrique, der es uns angetan hat – voll im Geschmack, wenig Tanine, ein Spätburgunder wie aus dem Bilderbuch. Der Winzer baut sieben Traubensorten an, aus denen er zehn Weine keltert. Danach machten wir uns auf die Jagd nach dem „Hasenlauf“.

Weiberg in Erlach

Das Rebgut Hasenlauf von Andreas und Mirjam Stämpfli-Röösli erhielt 2010 dreimal Silber beim „Mondial du Pinot Noir“, für seinen Oeil de Perdrix, für den Pinot Noir Barrique und die Cuvée de blanc et noir. Bei Hasenlauf gibt es auch den „Garanoir“, eine Kreuzung von Gamay und Reichenstein, ebenfalls im Barrique ausgebaut, ein sanfter aber geschmacksintensiver Roter. Im Restaurant Zülli in der Ortsmitte ergänzt er ausgezeichnet die sehr gute Küche.

Wer auf der Jagd nach exotischen, in Deutschland eher unbekannten Namen ist, findet neben dem Garanoir auch noch einen Diolinoir oder einen Dinoirsy oder auch den Manuelwy. Für dieses kleine Weinanbaugebiet wahrlich eine Fundgrube. Und man geht mit der Zeit. Stettler verkorkt seinen Chasselas mit einem Glaskorken. Da hat es sich ausgekorkelt.

Nach der Weinverkostung empfiehlt sich eine kurze Ruhepause am Ufer von Erlach. Man schaut hinüber an die Jura-Hänge mit ihren Weinbergen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Zwischenstopp dort bei Hubacher in Twann mit seinem exzellenten Pinot Noir?

www.tourismus-erlach.ch

 

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