Ein Quantum Zeit
Wo der Wein mit Muße reift
Ein Besuch beim Weingut Hirth erfordert tatsächlich Zeit und Muße. Obwohl gar nicht so weit von der Autobahn von Stuttgart nach Heilbronn entfernt, wirkt das letzte Stück des Weges nach Obersulm und dann hinaus in die Weinberge entschleunigend. Die liebliche Landschaft bezaubert die Sinne und verführt zum Trödeln. Genau das ist es, was die Gutsbetreiber Sibylle Haug, Alex Bernet, Roland Hirschmüller und ihr Mentor Helmuth Hirth erreichen wollen.
„Wir wünschen uns, dass unsere Besucher den Alltag draußen parken und den Blackberry ausschalten“, sagt Sibylle Haug. Das fällt leicht, egal ob bei der Verkostung im Keller oder an einem lauen Sommerabend im Garten des Gutsausschanks, ganz dicht an den Reben, umgeben von den sommerlichen Düften der Natur. Die Weine des Weinguts scheinen all die guten Eigenschaften der Landschaft wiederzugeben: die Bodenständigkeit, die Wiesen, die Dichte und die Mineralien der Keuper- und Mergelböden.
Weingut Hirth, mit frischem Wind unter die Besten
Im Weingut Hirth hat sich in diesem Jahrtausend einiges getan. Als Helmuth Hirth im Jahr 2000 den fünf Hektar großen Hof von seinem Vater Walter übernahm, unterzog er den ganzen Betrieb einer gründlichen Analyse. Qualität hieß sein erklärtes Ziel, stoffige und langlebige Weine wollte er produzieren. Das ist ihm nach Meinung von Fachleuchten wie dem renommierten Bremer Weinhändler Heiner Lobenberg auch gelungen, der das Weingut 2011 in seine „Liste der besten Winzer“ aufnahm. Er schreibt: „Helmuth Hirth macht einen der interessantesten Spätburgunder und den besten Lemberger Deutschlands“.
Vor kurzem hat sich Nebenerwerbswinzer Helmuth Hirth Verstärkung und noch mehr Expertise, unter anderem fürs Marketing, geholt. Alex Bernet, Sibylle Haug, die selbst aus einer Winzerfamilie stammt, und Roland Hirschmüller sehen sich als Genussmenschen. „Wir wollten der Hektik unserer Alltagsberufe ein Schnippchen schlagen. Hier fanden wir alles, was wir uns wünschten“, sagt Sibylle Haug. Das sind ein idyllisches Refugium, gute Keuper- und Mergelböden und sieben Hektar Reben, die bereits seit längerem biologisch-organisch kultiviert werden. „In Helmuth Hirth haben wir einen Mentor gefunden, der genau wie wir Ambition und Bodenhaftung in Einklang bringt“.
Der Duft von Streuobstwiesen
Für die Liebhaber der Weine aus Obersulm ist der Wein am Wichtigsten und da werden sie nicht enttäuscht, auch wenn die Auswahl bewusst begrenzt ist: Riesling, Auxerrois, einen Rosé, den typischen Württemberger Wein, den Trollinger, eine Cuvée Weiß (Chronos), eine Cuvée Rot (Kairos) und den von Lobenberg hochgelobten Lemberger.
Auf dem Weingut ist man überzeugt, dass die Zeit ein wichtiger Qualitätsfaktor beim Wein ist. „Unsere Trauben hängen oft noch an den Reben, wenn die anderen Weinbauern schon abgeerntet haben“, erzählt Sibylle Haug. „Doch nur was die Trauben aus dem Weinberg mitbringen, lässt sich im Fass ausbauen zu besonderer Güte.“ Der junge Kellermeister Frank Kayser sorgt dafür, dass auch im Keller alles in den richtigen Bahnen und Zeitschienen verläuft. Manchmal bedeutet das „kontrolliertes Nichtstun“, um letztlich qualitativ hochwertige Ergebnisse zu erzielen.
Perfektion bedeutet nichts weniger als Spitzenweine herzustellen, die trotzdem das Terroir widerspiegeln. Und das gelingt beim Weingut Hirth wohl besonders gut: Lobenberger schreibt zum Lemberger, Barrique, von 2006: „Helmuth Hirths Ausgabe ist vom kühleren Klima Nordwürttembergs geprägt....Trotz seines vollen Rotweincharakters ist er das Gegenteil eines Allerweltsweines.“
Mein persönlicher Favorit ist der Auxerrois. Die aus dem Burgund stammende Rebe findet man in Deutschland nicht allzu oft. Sein Duft erinnert mich an Streuobstwiesen, reife Birnen und ein bisschen an exotische Früchte. Er schmeckt frisch und mineralisch. Die Säure ist viel zurückhaltender als bei einem Riesling. Für mich ein idealer Sommerwein, zum Essen oder zu einem Snack oder abends auf dem Balkon in fröhlicher Runde mit Freunden. Der Riesling begeistert die Fans dieser Traube: Er ist fruchtig und bleibt lange auf der Zunge. Das ausgewogene Verhältnis zwischen Süße und Säure macht ihn anregend und frisch.
www.weinguthirth.de
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