Geschrieben von: Andrea Przyklenk   

Genug von Rioja?
Alternativen aus dem Priorato

Bild: Rafael López Monné

Die Überschrift „Teurer Rioja schmeckt manchmal sogar gut“ zierte als Überschrift einen Artikel zum Thema Rioja von Martin S. Lambeck im Juni 2008. Diese Aussage trifft nach Meinung von Experten den Nagel auf den Kopf, denn obwohl sich immer wieder hervorragende Weine darunter finden, gibt es viele Nieten unter den Rioja-Weinen oder „marmeladigen Schrott“, wie es Lambeck beschreibt, „der falsch konzentriert wurde und trotz gesalzener Preise handwerkliche Fehler aufweist“. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Rioja ist längst Massenware. Aber es gibt in Spanien durchaus Alternativen zum Rioja.

Bild: Rafael López Monné

Fast noch ein Geheimtipp ist das Priorat oder Priorato. Es verdankt seinen Namen dem 1163 gegründeten Priorat de la Cartoixa d’Escaladei, dem Priorat des Kartäuser-Klosters der Gottesleiter. Die Region mit fast 200 Quadratkilometer Anbaufläche und mehr als 1.700 Hektar Rebflächen liegt inmitten der Provinz Tarragona, von Westen betrachtet hinter den steilen Hügeln der Montsant-Berge, etwa 50 Kilometer vom Mittelmeer bei Tarragona entfernt, von dem ihn ein Küstengebirge trennt. Die Landschaft war einmal ein großer Binnensee. Heute ist es eine wilde, zerklüftete Berglandschaft mit steil abfallenden Schluchten, dunklem Gestein, geprägt von der Vulkanverwitterung, vom Schiefer und von Quarz, hier Licorella genannt. Dazwischen malerische alte Dörfer. Falset ist das größte der elf Priorat-Dörfer.

Alte Weinbauregion – junge Winzer

Bild: Rafael López Monné

Die Böden sind mager und steinig. Oft liegt schon in 40 Zentimeter Tiefe nackter Fels. Nur in den Tälern finden sich tiefgründigere Böden. Sehr niedrige Erträge sind die Folge, nur etwa ein Liter Wein pro Rebstock. Allerdings entstehen daraus extrem reife, konzentrierte und aromatische Weine mit interessanter Struktur, zu 95 Prozent Rotweine. Sie bestehen größtenteils aus Garnacha und Cariñena. 680 Winzer stellen in 82 Bodegas etwa drei Millionen Liter Wein her.

Die jungen Winzer experimentieren auf neu angelegten Rebflächen mit internationalen Sorten wie Syrah, Merlot und Cabernet-Sauvignon. Das ist dem Trend zum internationalen Einheitsgeschmack geschuldet, der territoriale Eigenheiten deckelt, aber Erfolg verspricht. Mittlerweile gehen etwa 50 Prozent der Weine in den Export.

Bild: Rafael López Monné

Das Priorat ist Kataloniens älteste Weinbauregion. Schon im Mittelalter zählte sie zu den bedeutendsten Weinbaugebieten Spaniens. Die Weinberge sind meistens in Terrassen von 150 bis 1.000 Meter Höhe an den Hängen der Montsant-Berge angelegt. Im Tal fließt der Siruana, ein Nebenfluss des Ebro.

Der Aufstieg in der Neuzeit begann Ende der 80er-Jahre mit Weinen wie L’Ermita, Clos Erasmus und Finca Dofi, die sich internationale Anerkennung erwarben. Im Jahr 2001 schaffte das Priorat neben Rioja den Sprung in die damals höchste Qualitätsstufe DOCa. Rioja und Priorat sind nach wie vor die einzigen beiden Herkunftsgebiete, die diese Bezeichnung tragen dürfen. Verantwortlich für den Aufstieg der Region sind einige junge Winzer, zu denen zum Beispiel Álvaro Palacios und René Barbier zählen.

Begeisterte Tester

Bild: Rafael López Monné Bild: Bild: Rafael López Monné

Im Guia Peñin erreichte der „L’Ermita“ Tinto Crianza 2005 als bester Wein des Priorats 98 Punkte, Finca Dofí, ein Tinto Ciranza von 2006, 94 Punkte auf Platz zwei. Weinhändler sind von den Weinen von Álvaro Palacios überzeugt: „Seit der Gründung seiner Bodega leuchten seine Weine wie Fixsterne am spanischen Weinhimmel.“ Das Erfolgsgeheimnis der Palacios-Weine liegt sicherlich in den alten Rebstöcken, den kleinen Erträgen und im absoluten Qualitätsanspruch von Álvaro Palacios. Das liegt vermutlich daran, dass selbst für den einfachsten Wein nur 25 Hektoliter pro Hektar geerntet werden. Die Weine sind spektakulär im Duft, atemberaubend am Gaumen. Ein Weinereignis, das man so schnell nicht vergessen wird. Palacios-Weine zählen zu den begehrtesten der Welt. Ebenfalls international anerkannte Kellereien sind Clos Mogador mit dem gleichnamigen Wein und Celler Mas Doix mit dem Prunkstück Doix. Bemerkenswert ist, dass von den 190 Weinen, die für den Peñin verkostet wurden, rund zwei Drittel 88 Punkte und mehr erreichten.

Kolumnist Martin S. Lambeck entdeckte im Priorat für seine Leser vom Portal de Montsant einen jungen Bio-Rotwein, den Brunus Tinto von 2006. Der Ökowein ist ein Cuvée aus 60 Prozent Cariñena, 25 Prozent Garnacha Tinta und 15 Prozent Syrah. Lambeck nennt ihn eine „wunderbare Empfehlung für alle, die sehr fruchtbetonte, süffige und dennoch ernsthafte Klasse-Rotweine mögen“. Der Brunus scheint fast schwarz-violett und verfügt über tiefgründige Aromen von Schwarzkirsche, Heidelbeere, Räucherspeck und etwas Vanille. „Das Besondere am Brunus ist“, so Lambeck, „dass er im Laufe der Zeit ständig seine Aroma-Nuancen ändert. Er ist spannend zu beobachten.“ Eine Flasche Brunus ist derzeit für unter 20 Euro zu haben, aber das ist laut Lambeck „für das Priorat ganz kleines Geld“. Es ist durchaus möglich, für einzelne Weine aus dem Priorat zwischen 300 und 600 Euro oder mehr auszugeben. Früh kaufen heißt die Devise. Ein 2006er Finca Dofí von Palacios zum Beispiel ist aktuell für 50 bis 60 Euro zu haben, wurde im Parker immerhin mit 93 Punkten bewertet.

 
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