Geschrieben von: Andrea Przyklenk   

Grappa: Von wegen Armeleute-Schnaps!

Antonella, Elisabetta und Cristina Nonino führen das Unternehmen.

Bild: Nonino

1451 wurde der Grappa zum ersten Mal namentlich erwähnt. Die Armen kochten damals die Reste der Weintrauben mit Wasser auf und destillierten die Brühe. Das Endprodukt war ein Rachenputzer gegen die Trübsal und Mühen des Lebens, der allerdings nicht nur zum Trinken, sondern auch als Allheilmittel verwendet wurde, gegen Magendrücken, Erkältungen und Rheuma zum Beispiel. Deshalb galt der Grappa seit jeher als Armeleute-Schnaps. Schließlich wird er aus Abfällen hergestellt, nämlich aus dem Trester, der nach der Weinherstellung übrig bleibt.

In den letzten Jahren hat er sich jedoch zum beliebten Digestiv nicht nur der Italiener, sondern auch aller Italophilen gemausert. Die Flaschen und Gläser wurden immer schöner und aufwändiger gestaltet, der Rachenputzer gewann an Geschmeidigkeit und Eleganz. Inzwischen gibt es einige Grappas, die durchaus dem Gaumen schmeicheln.

Die wahren Botschafter des Grappa

Grappa-Vielfalt.

Bild: Nonino

Mit diesem Titel wurden Giannola und Benito Nonino am 4. Dezember 2003 vom damaligen italienischen Staatspräsidenten Carlo Azelio Ciampi geehrt, als er ihnen den berühmten Preis „Leonardo Qualità Italia“ verlieh. Die Familie Nonino sei, so die Laudatio „als wahrer Botschafter der italienischen Grappa in der ganzen Welt anerkannt“. Doch das war bei weitem nicht die erste Auszeichnung, die die Noninos bzw. ihre Grappas erhielten. 2002 zum Beispiel, verlieh der Verband „Italiana Sommeliers“ der Familie den begehrten Preis „Oscar der Weine 2002“. Die Noninos und ihre drei Töchter zieren regelmäßig die Titelseiten der Magazine, eine Bilderbuchfamilie, deren Töchter nicht nur hübsch sind, sondern auch noch etwas vom Destillieren verstehen und zupacken können.

Gegründet wurde die Brennerei 1897 von Orazio Nonino in Ronchi di Percoto. Benito Nonino übernahm die Firma in den 60er Jahren zusammen mit seiner Frau Giannola. Das Ehepaar machte aus Nonino-Grappa eine Erfolgsgeschichte und trägt entscheidenden Anteil daran, dass Grappa heute nicht mehr der Fusel von einst ist und auch in Sterne-Restaurants als schick gilt. Gelungen ist ihnen das durch verschiedene Maßnahmen. Entscheidend war wohl 1973 die Herstellung eines Grappas aus einer einzigen Rebsorte. Damit war der „Monovitigno“ geboren, den nach und nach alle anderen Branntweinbrenner ebenfalls herstellten. Elf Jahre später folgte ein weiterer Meilenstein: Die Noninos brannten die ganze Traube und erzeugten den Acquavite d’Uva Ue. Auch hier folgten die anderen Brennereien bald dem Beispiel der Noninos. Wenn es um die Verpackung, sprich das Glas geht, zählen die Noninos ebenfalls zu den Pionieren.

66 diskontinuierlichen Dampf-Destillierkolben stehen in der Nonino-Brennerei.

Bild: Nonino

Neben den Innovationen ist es der Grappa-Familie jedoch wichtig, Traditionen zu wahren, die gut sind. Beispielsweise wurden 2004 die 66 diskontinuierlichen Dampf-Destillierkolben wieder aufgestellt. 12 Kolben für jedes erwachsene Familienmitglied, für jedes Enkelkind einer.

Vielleicht eine weitere Seite, die die Familie und ihre Grappas sympathisch macht: Ebenso wie ihre Eltern haben die drei Nonino-Töchter Cristina, Antonella, Elisabetta, das Handwerk von der Pike auf gelernt, waren schon als kleine Mädchen immer dabei, wenn Mutter Giannola sich ums Geschäft kümmerte. Heute ist die ganze Familie während der Weinernte unterwegs, um den besten Trester für ihre Grappas zu sichern. Wenn gebrannt wird, trifft man die Damen meistens in den Destillierhallen an. Ansonsten kümmern sich die Töchter um Marketing und Verkauf. Und auch als Familie hält man zusammen: die Töchter wohnen nicht weit weg von den Eltern, mittags treffen sich oft alle zum Essen. Dabei steht natürlich der Grappa auf dem Tisch und ist oft auch Gesprächsthema, denn die Nonino-Töchter wissen, dass sie sich nicht auf den Lorbeeren der Eltern ausruhen können.

Tipps für Grappa-Einsteiger

Eine Faustregel sagt „je billiger desto schärfer“. Guter Grappa muss zwar kräftig, aber doch weich und fruchtig sein. Generell kann Grappa schon kurz nach der Destillation getrunken werden. Das Gesetzt schreibt lediglich eine sechsmonatige Reifezeit vor. Allerdings gewinnt der Schnaps durch die Lagerung in Holzfässern an Aroma. Brände mit den Zusätzen „invecchiata“, stravecchia“ oder „riserva“ wurden sechs Monate im Holzfass und weitere sechs Monate luftdicht in Flaschen gelagert. Gute Grappas können durchaus zehn Jahre liegen. Sie gewinnen an Reife und Milde. Es gibt auch Grappa, für den der neue Jahrgang mit einem alten verschnitten wird.

Im Prinzip kann man unterscheiden nach jungem Grappa, im Holzfass gelagerten und altem Grappa (stravecchia). In jeder der drei Gruppen gibt es zum relativ neutralen Geschmack noch einen aromatischen Bruder. Viele Kenner bevorzugen Destillate aus dem Trester von Traubensorten, die einen relativ neutralen Geschmack haben, zum Beispiel Nebbiolo, Sangiovese oder Barbera. Gewürztraminer, Müller-Thurgau, Chardonnay oder Cabernet erzeugen sehr aromatische Grappas, die besonders gerne von den nicht so überzeugten Newcomern getrunken werden.

In Bezug auf die Qualität ist es empfehlenswert „Monovitigni“ zu kaufen, also Grappas, die rebsortenrein sind. Grappa muss klar und rein sein. Junger Grappa sollte so durchsichtig und frisch wie Wasser aussehen. Ältere Grappas aus dem Holzfass tendieren ins Gelbliche. Beachten sollte man auch, dass sich Tresterbrände an der Luft verändern. Deshalb empfiehlt es sich, will man einen Grappa wirklich genießen, nicht sofort nach dem Einschenken zu trinken, sondern ihm ein bisschen Zeit zum Entwickeln zu geben.

www.nonino.it

 
nach oben

Bookmark Deluxe

Luxus-Momente als Lesezeichen speichern.
Wir haben 3 Gäste online

Luxus-Magazin - Archiv

Luxus-Momente mit Freunden teilen