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| Geschrieben von: Michael Brückner | |||
Christine Hutter: Chefin einer Manufaktur mit großer TraditionEinzige Frau an der Spitze einer deutschen Uhrenmanufaktur
Eine Frau beschert einem großen Namen der sächsischen Uhrmacherkunst eine Renaissance: Christine Hutter gründete vor über zwei Jahren die Manufaktur Moritz Grossmann und präsentierte mit dem Modell „Benu“ vor wenigen Wochen das erste Meisterstück des Glashütter Unternehmens.
Er gilt bis heute als eine der Koryphäen der sächsischen Uhrmacherkunst, ersann geniale Konstruktionen, fertigte Präzisionswerkzeuge, Gangmodelle, feine Taschenuhren, Präzisionspendeluhren und Seechronometer. Und er gab sein Wissen als Meister der Uhrmacherkunst in zahlreichen Vorträgen und Publikationen weiter: Moritz Grossmann gilt im sächsischen Uhrenmekka Glashütte bis heute als Legende. Zu seinen Freunden zählte Ferdinand Adolph Lange. Doch beide Meister der hohen Uhrmacherkunst erreichten nicht einmal das sechzigste Lebensjahr. Während der Name Lange allerdings in der Manufaktur A. Lange & Söhne weiterlebt, war Moritz Grossmann bislang eine Markenlegende. Das will eine Frau ändern: Christine Hutter, gebürtige Bayerin, die schon früh ihre Leidenschaft für hochwertige Uhren entdeckte, gründete vor etwas mehr als zwei Jahren die Grossmann Uhren GmbH in Glashütte.
Mechanische Uhren – auch hochwertige – gelten üblicherweise als teures „Männerspielzeug“. Frauen als Chefinnen oder sogar Existenzgründerinnen sind in dieser Branche eher selten anzutreffen. Christine Genesis zählt zum Beispiel dazu. Ihr gehört ein kleines Atelier in Hamburg, wo sie ihre eigene Kollektion entwirft und fertigt. Christine Hutter geht noch einen Schritt weiter: Sie möchte in einer eigenen Manufaktur mit großem Namen ausgesprochene Luxusuhren herstellen – in streng limitierter Auflage für internationale Connaisseurs. Im Jahr 2011 wird die erste Manufakturuhr „Benu“ auf den Markt kommen – angetrieben von einem Handaufzugswerk Kaliber 100.0 und eingeschalt in ein 750er Rotgoldgehäuse. Der Preis dieses auf 100 Exemplare limitierten Nobeltickers wird mit Sicherheit fünfstellig sein. Im November 2010 stellte Christine Hutter ihr erstes Uhrenmodell „Benu“ vor. Doch nicht minder interessant als die Uhr ist die 46jährige Frau, die mit all ihrer Leidenschaft hinter der Manufaktur mit dem großen Namen Moritz Grossmann steht. Vom „Uhrenvirus“ infiziert wurde sie schon im Alter von 20 Jahren, als sie eine Lehre beim Münchner Uhrmachermeister Wilhelm Glöggler absolvierte. „Er zeigte mir alte Pendülen, Taschenuhren, Chronographen und fantastische Werke, die im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zu dem Schönsten und Besten gehörten, was Zeiger antreiben konnten“, erinnert sich Christine Hutter. Solche Raritäten begegneten ihr im Reparaturatelier, in dem sie innerhalb weniger Monate alte Uhren restaurierte. Sie fertigte Ersatzteile wie Aufzugswellen, ersetzte Zahnradzähne und Triebe.
Dass die mechanische Uhr in zunehmendem Maße von Quarzuhren verdrängt worden war, konnte die junge Uhrenexpertin nicht nachvollziehen. Und sie spürte, was sich wenig später auf das Eindrucksvollste bestätigen sollte: Die mechanische Uhr stand vor einer Renaissance erster Klasse. Im Jahr 1989 schloss Christine Hutter ihre Lehre als Beste in Bayern ab, wechselte zu Wempe und genoss dort den Kontakt zu vielen Kunden, die ihrer Leidenschaft für mechanische Uhren treu geblieben waren. Später arbeitete sie beim Schweizer Uhrenhersteller Maurice Lacroix, bevor sie im Jahr 1996 nach Glashütte kam. Zunächst war Christine Hutter beim Glashütter Uhrenbetrieb tätig, anschließend kam sie zum Nobeluhrenhersteller A. Lange & Söhne. Dort sammelte die gelernte Uhrmacherin umfassende Marketingerfahrungen und baute neue Vertriebswege auf. Im Laufe der Jahre wuchs in ihr der Wunsch nach einer eigenen Manufaktur. Christine Hutter entdeckte die alte Glashütter Uhrenmarke „Moritz Grossmann“, die sie mit Hilfe ihrer Familie schützen ließ. Zunächst aber ging sie in die Schweiz – als Chefin der Haute Horlogerie Schindler SA. Während dieser Tätigkeit entstanden zahlreiche Kontakte zu anspruchsvollen Sammlern, die uhrmacherische Werte zu schätzen wissen. In Christine Hutter reift der Plan, gut 120 Jahre nach Grossmanns Tod mit einer besonders feinen Armbanduhr anzutreten. Christine Hutter überzeugte private Uhrenliebhaber, sie bei der Verwirklichung ihres Traumes zu unterstützen. Am 11. November 2008 war es dann soweit: Sie gründete die Grossmann Uhren GmbH in Glashütte und ist seither die einzige Frau an der Spitze einer deutschen Uhrenmanufaktur. Bilder: Grossmann
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