Geschrieben von: Andrea Przyklenk   

Spiel- und Flötenuhren:
Kostbar wie die Zeit selbst

Nüchtern präsentiert sich das Rhodium in dieser Variante.

Bild: Naeschke

Wer durch die engen Gässchen des mittelalterlichen Haigerloch schlendert, könnte meinen, die Zeit sei stehen geblieben. Dabei spielt sie gerade hier eine besonders große Rolle, zumindest in der Werkstatt von Matthias Naeschke, gleich hinter dem 1000-jährigen Bergfried Römerturm.

Naeschke und sein Sohn Sebastian sind Uhrmacher aus Leidenschaft und ihre Uhren sind alles andere als gewöhnlich. Neben Stand- und Tischuhren, gilt ihre besondere Leidenschaft den Spiel- und Flötenuhren. Steht das Werkstattfenster offen, verzaubern manchmal zarte Melodien das Gässchen.

Unikate in bester Handwerkstradition

Vier Jahre läuft diese Standuhr ohne Aufziehen.

Bild: Neaschke

Die Naeschkes sind die Einzigen, die neben Stand-, Wand- und Tischuhren auch Flötenuhren bauen. Alle 20 bis 30 Uhren, die jährlich die Werkstatt verlassen, sind Unikate, die in traditioneller Handarbeit hergestellt werden. „Wir fertigen fast jedes Teil selbst“, sagt Matthias Naeschke. „Was wir nicht selbst herstellen, lassen wir in ausgesuchten Unternehmen fertigen, die denselben Anspruch haben wie wir. Die Gehäuse zum Beispiel werden nur einige Kilometer von hier entfernt bei einem Familienunternehmen gefertigt.“

Hoch ist der Anspruch der Uhrmacher aus Haigerloch tatsächlich. „Wir gehen sowohl bei der Konstruktion von Uhren als auch bei deren Fertigung immer an die Grenzen der Physik und legen besonderen Wert auf die perfekte Verarbeitung“, sagt Sebastian Naeschke, der seit 1999 dabei ist.

Wer beobachtet, mit welcher Akribie und Hingabe Vater und Sohn sowie ihre Mitarbeiter Ulrike Dlugosch und Martin Bremm jedes noch so kleine Teil des Uhrwerks bearbeiten, versteht, was der Senior meint, wenn er sagt: „Wir streben nach einem Punkt von Präzision, den sonst niemand erreicht.“

Leidenschaftliche Präzision

„La beauté“ – Tischuhr für Puristen.

Bild: Naeschke

Extreme Fertigungstiefe und Präzision sind die Merkmale, die die Firma „Matthias Naeschke – Feinste Uhrmacherei“ auszeichnen. Die kleinsten Rädchen und Triebe werden selbst angefertigt, gehärtet und poliert, bis sie ohne die geringsten Bearbeitungsspuren glänzen.

Nicht mit computergesteuerten Hightech-Maschinen, sondern von Hand oder mit Maschinen, die so alt scheinen wie das Uhrmacherhandwerk selbst. „Wir sind keine Fabrik, sondern arbeiten in der kulturellen Tradition des Handwerks“, sagt der Senior stolz. „Nur durch unsere Präzision und höchste Qualität ist es uns möglich, eine Standuhr zu bauen, die vier Jahre ohne Aufziehen läuft – das ist einzigartig auf der Welt.“

Besonderes Schmuckstück: ein goldener Vogelkäfig-Automat mit Orgelwerk.

Bild: Neaschke

Selbstverständlich werden auch die Holzteile für die Flötenuhren in der eigenen Werkstatt angefertigt. Und glaube keiner, dass das einfach ist. Schon die Auswahl des Holzes ist wichtig. „Man kann dafür kein frisches Holz nehmen“, erklärt Sebastian Naeschke. „Denn nichts ist bei der Flötenuhrmusik wichtiger, als die exakt bleibende Justage der Klaviatur zur Walze.“ So werden in einem Vorraum alte Holztüren, Treppenstufen und Weinfässer gelagert, aus denen die Basis für den zauberhaften Klang der Flötenuhren entsteht.

Business-Uhr, La beauté oder klassische Standuhr?

Verschiedene Zeitzonen und zwei Zifferblätter in der „Business-Uhr“.

Bild: Naeschke

Man kann sich nur schwer entscheiden, denn jede Uhr ist eine Kostbarkeit für sich und hat ihre besonderen Reize. Neben den klassischen Stand-, Tisch- und Wanduhren, die ebenfalls individuell gestaltet werden, entwerfen die Uhrmacher immer wieder neue Modelle. Die Business-Uhr zum Beispiel ruht auf einem drehbaren Steinsockel und verfügt über zwei Zifferblätter. Auf dem einen befindet sich ein ewiger Kalender mit verschiedenen Zeitzonen, auf der anderen kann man auf einem 24-Stunden-Blatt zusätzlich zur eigenen Zeit noch die Zeitzone einstellen, in der die Geschäftspartner leben.

La beauté ruht auf vier Säulen und ist für die Puristen unter den Uhrenliebhabern. Alle sichtbaren Messingteile dieser Uhr mit Ausnahme der Räder sind rhodiniert. Rhodium ist ein in der Natur sehr selten vorkommendes Metall aus der Platinfamilie. Ein Kunde aus den Emiraten hat diese Uhr als „Le bijou“ geordert – „als Damenuhr“ schmunzelt Sebastian Naeschke und zeigt auf den Diamantbesatz rund um das Gangrad.

Matthias Naeschke und Sohn Sebastian.

Bild: Naeschke

Zeit für den Kunden


Die Naeschkes nehmen sich nicht nur Zeit für die Herstellung ihrer Uhren, sondern auch für ihre Kunden. „Menschen, die eine Uhr bei uns kaufen, möchten sich etwas Besonderes gönnen. Meistens sind es nicht die Superreichen, die zu uns finden, sondern Menschen wie der Herr, der sich mit einer Flötenuhr ‚das Leben versüßen’ wollte“, erzählt Matthias Naeschke.

Inzwischen versüßen sich Kunden aus aller Welt das Leben mit den Uhren aus Haigerloch. Sie kommen aus Asien, Amerika, Russland und den Arabischen Emiraten und manchmal auch ganz aus der Nähe wie das Ehepaar, das eigentlich einen kleineren Wandregulator haben wollte und sich dann für eine große Standuhr entschied.

www.matthias-naeschke.de

 
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