Geschrieben von: Michael Brückner   

In Tabakdosen investieren: Edle
Stücke sind weltweit gesucht

Extrem seltene französische Goldemaile-Schnupftabakdose
"Die Treue" aus 1775 in 20 Karat Gold.

Bild: Dr. Crott

Man mag vom Tabakschnupfen halten, was man will. Jedenfalls hinterließ uns dieses kleine Laster unserer wohlhabenden Vorfahren einige besonders schöne handwerkliche Kunstwerke, die auf Auktionen Höchstpreise erzielen.

Die schrullige Miss Marple hatte offenkundig einen geschärften Blick für Preziosen der besonderer Art. Das bewies die Hobby-Detektivin in dem 1964 gedrehten Krimi "Schiff Ahoi", in dem ausgerechnet eine Schnupftabakdose den Argwohn der alten Dame weckte. Die Story ist schnell erzählt: Während einer hochkarätigen Veranstaltung beobachtete Miss Marple zunächst, wie einer der Anwesenden eine Prise Schnupftabak in die Nase zog. Wenige Sekunden später bricht der eben noch putzmuntere Gentleman zusammen. Für ihn kommt jede Hilfe zu spät - Herzversagen. Miss Marple will an diese Version nicht recht glauben. Und als sie die Schnupftabakdose findet, wird sie in ihrem schlimmen Verdacht bestätigt: Es war kein natürlicher Tod, sondern Mord. Denn irgendjemand hatte den restlichen Schnupftabak aus der Dose entfernt, das Behältnis aber einfach achtlos zurückgelassen. Welch ein Banause, denn die Tabakdose war von großem Wert. Es ging dem Unbekannten also nur darum, den Tabak verschwinden zu lassen. Und das, wie sich herausstellte, aus gutem Grund: Er war vergiftet.

Russische Schmucktabakdose aus St. Petersburg, circa 1810.

Bild: Dr. Crott

Für echte Sammler sind die aufwändigen Gold- und Emaildosen, wie sie vor allem in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf den Markt kamen, nicht schnöde Behältnisse für Tabak, sondern Objekte der Wertanlage. Wer jedoch in diese sehr spezielle Form der handwerklichen Kunst investieren möchte, muss lange suchen. Den wirklich kostbaren Stücken begegnet man heute in erster Linie in Museen. So ist zum Beispiel im niederländischen Museum Huis Dorn eine wertvolle Sammlung von Schnupftabakdosen aus dem Besitz Friedrich des Großen zu bewundern. Er galt als leidenschaftlicher Tabakschnupfer und nannte angeblich 1.500 der kostbarsten Dosen sein Eigen.

Teilweise teurer als Vintage-Uhren

Wer die Möglichkeit hat, in wirklich exzellente Goldemail-Schnupftabakdosen - nach Möglichkeit französischer Provenienz - zu investieren, sollte zugreifen, denn derlei Stücke sind äußerst rar und werden kaum angeboten. "Noch vor zwanzig Jahren waren solche Dosen ein fester Bestandteil vieler Uhrenauktionen, da sie in ihrer herausragenden handwerklichen Verarbeitung und der bestechenden künstlerischen Ausführung mit hochwertigen Uhren durchaus vergleichbar sind", sagt Stefan Muser, Inhaber des Mannheimer Auktionshauses Dr. Crott. Er bot seinen Kunden bei der Auktion Ende 2008 eine hochkarätige Schnupftabakdosen-Sammlung an.

Die Preise für diese Preziosen liegen teilweise sogar über denen für gesuchte mechanische Armband- und Taschenuhren. Und das will etwas heißen angesichts des hohen Preisniveaus für Vintage-Zeitmesser aus renommierten Manufakturen.

Louis XV. Schmuckdose, ciraca 1795.

Bild: Dr. Crott

Für die extrem seltene französische Goldemail-Schnupftabakdose "Die Treue" aus dem 18. Jahrhundert (Bild 1) muss der geneigte Investor schon mal mindestens 40.000 bis 50.000 Euro bieten. Auch die meisten anderen seltenen Goldemail-Dosen aus Frankreich bewegen sich preislich im fünfstelligen Bereich. Ein weiteres begehrtes Stück ist die aus dem 19. Jahrhundert stammende russische Schnupftabakdose "Alexander der Große vor dem Orakel Amon in der ägyptischen Oase Siwa" aus einer Manufaktur in St. Petersburg. Auch sie dürfte unter 40.000 Euro kaum zu haben sein, sofern sie überhaupt jemals noch einmal am Markt auftaucht (Bild 2). Wer es allerdings mit einer goldenen Schweizer Louis XV. Schmuckdose aus dem 18. Jahrhundert bewenden lässt, muss "nur" einen vierstelligen Betrag investieren (Bild 3).

Für die hohen Preise gibt es eine recht einfache Erklärung: Tabakdosen von dieser Qualität sind äußerst selten. "Mangels Masse sind sie fast komplett aus den Auktionen verschwunden", weiß Stefan Muser. Da braucht ein potenzieller Investor schon den Spürsinn einer Miss Marple, um an eines dieser kostbaren Stücke zu kommen.

 
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