Profit mit Porzellan? Von
der Magie des weißen Goldes
Porzellan aus dem sächsischen Meißen
Es war sicher alles andere als eine einfühlsame Motivationstechnik, mit der August der Starke seinen Auftragnehmer zu schnellen Höchstleistungen anspornte: "Tu mir recht, Böttger, sonst lass ich Dich hängen", soll der Sachsen-König Anfang des 18. Jahrhunderts dem jungen Apotheker Johann Friedrich Böttger unverhohlen gedroht haben. Die Geschichte nahm jedoch ein gutes Ende - ein sehr gutes sogar.
Der Dienstleister seiner Majestät forschte fieberhaft, um seinem ungeduldigen Monarchen endlich feinstes "weißes Gold" präsentieren zu können: Edles Porzellan, wie es bis dahin nur die Chinesen herzustellen vermochten. Ein faszinierendes Material, aus dem Gefäße von grenzenloser Schönheit gefertigt wurden. Was mit einer brutalen Drohung begann, geriet zu einem Welterfolg, der auch drei Jahrhunderte später Ästheten mehr denn je fasziniert. Porzellan aus dem sächsischen Meißen gehört nach wie vor zum Edelsten, was aus "weißem Gold" werden kann. Die gekreuzten Schwerter auf der Rückseite von Tellern, Terrinen, Tassen, Schalen und Figuren stehen rund um die Welt symbolhaft für Porzellan der qualitativen und künstlerischen Extraklasse.
An Wettbewerb hingegen herrscht kein Mangel.
Die Königliche Porzellan Manufaktur (KPM) in Berlin sowie die angesehenen Häuser Nymphenburg, Ludwigsburg, Fürstenberg, Sévres in Frankreich, Herend in Ungarn oder Kakiemon in Japan - sie alle zählen zu den Top-Adressen. Prunkvolle Service, filigrane Figuren und feine Gefäße aus solchen international anerkannten Manufakturen sorgen bei leidenschaftlichen Porzellansammlern für glänzende Augen. Doch wie steht es mit strahlenden Renditen? Kommt edles Porzellan wirklich als Kapitalanlage in Frage? Eignet es sich als Alternative oder Ergänzung zu anderen Formen des Kunstinvestments? Oder handelt es sich um ein hochwertiges Lifestyleprodukt, das den Modezyklen unterliegt?
Porzellan sei nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen als Kapitalanlage geeignet, sagt Ursula Rohringer. Die Porzellan- und Glas-Expertin des Wiener Auktionshauses Dorotheum nennt die entscheidenden Kriterien: "Das Porzellan muss sich durch Authentizität auszeichnen. Das heißt, erst später bemalte oder gar gefälschte Objekte eignen sich natürlich nicht als Geldanlage. Außerdem muss das Porzellan von hoher Qualität und in einem 1a-Zustand sein". Christian Hirsch, Geschäftsführer der deutschen Porzellanmanufaktur Fürstenberg, äußert sich ähnlich: "Als Kapitalanlage sollte nur hochwertiges Manufakturporzellan in überschaubaren Stückzahlen mit Unikatscharakter in Frage kommen".
Treffen diese Qualitätsmerkmale zu, dann kann sich ein Investment in "weißes Gold" langfristig durchaus lohnen. "In der Vergangenheit waren zum Teil hervorragende Steigerungen am internationalen Markt zu verzeichnen. Vor allem bei Porzellanen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, bei Originalausformungen und Porzellan mit prominenten Vorbesitzern oder aus berühmten Sammlungen", berichtet Ursula Rohringer.
Das Interesse internationaler Sammler an edelsten Stücken aus "weißem Gold" ist jedenfalls groß, was sich nicht zuletzt in den Auktionsergebnissen widerspiegelt. Ein seltener Porzellan-Humpen aus Meißen um 1730 mit Silbermontierung und einer gemalten Landschaft mit Soldaten brachte bei einer Auktion im Dorotheum vor einiger Zeit 22.000 Euro. Eine ebenfalls aus Meißen stammende Kaminuhr aus Porzellan war ihrem neuen Besitzer 14.600 Euro wert. Und für das von F. Wagner signierte Porzellanbild "Die fünf Sinne" mit allegorischen Darstellungen von Gefühl, Gehör, Gesicht, Geruch und Geschmack, das von KPM stammt, fiel der Hammer des Auktionators gar erst bei 41.500 Euro.
Nach oben scheinen keine Grenzen gesetzt. Eine kleine Teekanne mit Deckel um 1725 aus der kleinen, aber feinen Wiener Manufaktur Du Paquier wechselte bei einer Versteigerung im Londoner Auktionshaus Sotheby's vor knapp zwei Jahren bei 370.000 Euro ihren Besitzer.
Wie werden sich die Preise für edles Porzellan entwickeln, welches Potenzial birgt der Markt? "Das bleibt abzuwarten", sagt Ursula Rohringer zurückhaltend. Immerhin belege Porzellan auf der Liste der beliebtesten Sammelobjekte im deutschsprachigen Raum Platz acht und stehe damit vor Antiquitäten und Briefmarken. "Der wiederentdeckte Anspruch an Qualität habe das Image von Manufakturporzellan deutlich gesteigert", sagt Christian Hirsch von Fürstenberg. "Das schlägt sich auch auf die Wertentwicklung nieder".
Hoch im Kurs steht edles Porzellan im wirtschaftlich aufstrebenden Ausland, wo man gern zeigt, was man hat. Längst haben zum Beispiel wohlhabende Russen ihr Herz für das "weiße Gold" entdeckt. "Vor einiger Zeit waren wir zum ersten Mal auf der Millionärsmesse in Moskau", berichtet Hirsch. Dort seien besonders prunkvolle Manufakturporzellane sehr gefragt.
Doch worauf sollten Porzellanfreunde achten, die zwar nicht zur Zielgruppe einer Millionärsmesse zählen, aber dennoch einen kleinen Teil ihres Vermögens in edle Objekte aus renommierten Manufakturen investieren möchten? "Zunächst ist es wichtig, sein Wissen konsequent zu erweitern und die einschlägige Literatur zu lesen", rät Ursula Rohringer. Zur Pflichtlektüre gehörten ferner Auktionskataloge. Interessante Erkenntnisse liefere darüber hinaus der Vergleich von Schätzpreisen und den tatsächlich erzielten Erlösen.
Nach Ansicht von Christian Hirsch sollten sich potenzielle Investoren für Porzellan auch wirklich interessieren. Eine Aktie kann ein Anleger aufgrund von Analystenempfehlungen kaufen, ohne sich intensiv und über längere Zeit mit dem Geschäftsmodell und den Marktchancen des Unternehmens beschäftigt zu haben. Bei einem Kunstinvestment ist das anders: Zur Hoffnung auf eine längerfristige Wertsteigerung muss eine große Portion Freude an den betreffenden Objekten hinzukommen. "Für jeden leidenschaftlichen Sammler ist Porzellan eine echte Wertanlage, zu der er wie andere zur Bildenden Kunst ein echtes Verhältnis aufbaut", sagt Hirsch. "Dieses profunde Interesse stellt für mich eine der wichtigsten Voraussetzungen dar, um Porzellan als Wertanlage zu verstehen".
Und über eine weitere Tatsache sollte sich der angehende Investor im Klaren sein: Kaum eine andere Form der Geldanlage ist so zerbrechlich wie das Sammeln von Porzellan. Schon so mancher Traum von einem hohen Auktionserlös zerbrach bereits im Vorfeld. Das Sprichwort "Scherben bringen Glück" ist dann ein denkbar schlechter Trost.
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