Geschrieben von: Michael Brückner   

Farbedelsteine: Auch als
Investment eine funkelnde Idee?

Farbedelstein Peridot

Wohin mit dem Geld? Diese Frage stellen sich viele verunsicherte Anleger nach der Finanz- und Eurokrise. In Wien trafen wir Heinz Schiendl. Verfügt er über den Stein der Weisen? Immerhin ist er als Gründer und Inhaber von www.carat-online.at ein erfahrener Edelsteinhändler. Nein, den Stein der Weisen hat auch er natürlich nicht, aber jede Menge Tipps für ein funkelndes Investment in Farbedelsteine. Tauchen Sie mit uns ein in ein wahrhaft facettenreiches Thema.


Achtung! Für den interessierten Leser haben wir alle hier gezeigten Farbedelsteine direkt mit der zugehörigen Edelstein-Kategorie des Edelsteinhandels auf www.carat-online.at verlinkt.

Herr Schiendl, Magerzinsen für Spareinlagen, volatile Börsen, undurchsichtige Zertifikate – die Anleger sind gebrannte Kinder. Kann man mit Edelsteinen ruhiger schlafen?

Schiendl: Tatsächlich haben sich in den vergangenen Wochen und Monaten im Zeichen der Finanz- und Eurokrise zahlreiche Interessenten gemeldet, die einen Teil ihres Vermögens in Edelsteine investieren möchten. Das ist allerdings keineswegs neu. Geschliffene Diamanten und Farbedelsteine gelten seit Jahrhunderten als beliebte und anerkannte Form der Geldanlage.

Rubin

Welche Gründe sprechen aus Ihrer Sicht für ein solches Engagement?

Schiendl: Edelsteine haben bislang noch alle Finanz- und Wirtschaftskrisen gut überstanden. Natürlich kennen wir auch auf diesem Markt Zyklen. Preise können steigen und fallen, aber trotzdem zeichnen sich Edelsteine durch ein hohes Maß an Stabilität aus. Ferner handelt es sich um inflations- und deflationsgeschützte Sachwerte. Edelsteine sind gleichsam natürliche Ressourcen und somit nicht beliebig vermehrbar. Schließlich spricht die Mobilität für Edelsteine. Ein Rubin oder Smaragd mit einem Gewicht von fünf Karat – das entspricht einem Gramm – kann durchaus den Gegenwert von einem Kilobarren Gold repräsentieren. Echtes „Fluchtkapital“ also.

Das heißt, raus aus Aktien und rein in die edlen Steinchen?

Schiendl: Eine solche Empfehlung wäre nicht nur unsinnig, sondern wohl auch unseriös. Edelsteine können immer nur eine Portfolio-Beimischung sein, niemals eine hundertprozentige Alternative zu den bekannten Assetklassen. Aber warum soll ein Kunde, der vielleicht 10 oder 15 Prozent seines liquiden Vermögens in Gold anlegen möchte, nicht einen Teil davon in Farbedelsteine investieren? Damit würde er sein Vermögen noch breiter streuen. Milliardenschwere Spekulationen mit Derivatprodukten, wie zum Beispiel auf dem Goldmarkt, gibt es im Edelsteinsegment nicht. Das sorgt für Stabilität.

Wenn ich Edelsteine kaufe, zahle ich die Spanne des Händlers, die schon mal 50 Prozent des Preises ausmachen kann. Im Gegensatz zu Goldbarren oder Goldmünzen muss ich außerdem Mehrwertsteuer berappen. Da müssen die Preise für Edelsteine aber kräftig steigen, bis ich einen Gewinn einfahren kann.

Tansanit

Schiendl: Spektakuläre Preissteigerungen gab es in den vergangenen Jahren durchaus. Mit manchen Steinen konnte man richtig Geld verdienen. Aber grundsätzlich haben Sie Recht. Wenn ein Anleger knallhart kalkuliert und ausschließlich an Renditen denkt, sollte er vielleicht nicht unbedingt Edelsteine kaufen. Meine Kunden hingegen schätzen die emotionale Rendite. Die Freude am Feuer eines Edelsteins, an der Vielzahl der kräftigen Farben und das Wissen um seine Unvergänglichkeit – auch diese Aspekte spielen für viele Anleger eine Rolle. Und im Übrigen: Nicht alle Händler kalkulieren mit der von Ihnen genannten Spanne. Ich zum Beispiel verkaufe Edelsteine über das Internet. Dadurch realisiere ich Kostenvorteile, die ich an die Kunden weitergeben kann.

Jetzt haben Sie uns neugierig gemacht. Mit welchen Edelsteinen war denn in den vergangenen Jahren Geld zu verdienen?

Saphir

Schiendl: Zum Beispiel mit dem Mandarin-Granat, einem der wenigen Edelsteine, die nicht zum Zweck der Farboptimierung gebrannt werden. Vor etwa 20 Jahren zahlte man für diesen Stein noch etwa 200 D-Mark pro Karat. Heute liegt der Preis bei sehr guten Qualitäten bei 1000 Euro pro Karat. Viel versprechend erscheint mir derzeit der Blaue Zirkon aus Kambodscha. Ein wunderschöner Stein, der irgendwann dem Aquamarin den Rang ablaufen könnte. Aber manche Kunden denken dabei gleich an Zirkonia, also an die künstlich hergestellte Diamantimitation. Der Zirkon ist aber ein natürlicher Edelstein. Zu den Farbedelsteinen mit Investment-Grade-Charakter rechne ich ferner die unglaublich farbenreichen Turmaline, vor allem die wertvollen Paraiba-Turmaline aus Brasilien.

Die drei Klassiker Rubin, Saphir und Smaragd erwähnen Sie nicht?

Schiendl: Doch, selbstverständlich. Die Qualitätsvorkommen dieser Edelsteine liegen mengenmäßig unter jenen des Diamanten. Das wird sich mittel- bis langfristig sicher nachhaltig auf die Preise auswirken. Allerdings erscheint mir der Smaragd im Augenblick tendenziell etwas überbewertet.

Immer wieder wird uns vom Burma-Rubin vorgeschwärmt. Mit Recht?

Schiendl: Es gibt viele Mythen und Legenden in unserem Geschäft. Dazu gehört auch der Burma-Rubin. Der Name nimmt Bezug auf die Lagerstätten in Burma, dem heutigen Myanmar, einem südostasiatischen Staat am Golf von Bengalen. Allgemein gelten Burma-Rubine als besonders wertvoll. Das trifft jedoch nicht nur auf Rubine aus dieser Provinz zu. Die besten Rubine kommen derzeit zum Beispiel aus Vietnam. Ist von Kaschmir-Saphiren die Rede, leuchten die Augen von Edelsteinliebhabern ebenfalls. Bedeutet dies aber, dass die wirklich hochwertigen Steine allesamt aus dieser Himalaya-Region kommen? Früher mag das zutreffend gewesen sein, immerhin wurden die entsprechenden Lagerstätten in rund 5000 Metern Höhe bereits ab dem Jahr 1880 ausgebeutet. Nun ist das Vorkommen aber offenkundig erschöpft – die meisten Saphire kommen aus Madagaskar. Mitunter schwärmen Juweliere vom brasilianischen Aquamarin. Tatsächlich aber stammen die meisten dieser Steine inzwischen aus Pakistan.

Das klingt ja nicht gerade nach Klarheit und Wahrheit. Wie finde ich denn den Edelsteinhändler meines Vertrauens?

Turmalin

Schiendl: Jede Investition setzt Wissen voraus. Allein auf einen Berater (der ja in der Regel Verkäufer ist) sollten Sie nicht vertrauen. Informieren Sie sich, stöbern Sie im Internet, beschaffen Sie sich weiterführende Literatur. Ich biete auf meinen Seiten www.carat-online.de ein umfassendes und kostenloses Edelstein-Lexikon. Dort kann sich jeder kundig machen, ob er nun bei mir kauft oder bei einem Kollegen. Guten Gewissens als Standardwerk bezeichnet werden darf das Buch „Edelsteine und Schmucksteine“ von Professor Dr. Walter Schumann, erschienen im BLV-Verlag München.

Was würden Sie einem angehenden Edelstein-Investor darüber hinaus empfehlen?

Schiendl: Es macht relativ wenig Sinn, große Summen in einen einzigen Stein zu investieren, der dann später nur über eines der internationalen Auktionshäuser vermarktet werden kann. Besser ist die selektive Streuung, wobei die Qualität der Edelsteine immer an erster Stelle stehen muss. Außerdem empfiehlt es sich, das Engagement zeitlich zu strecken, also sukzessive ein Edelstein-Portfolio aufzubauen. Auf diese Weise profitiert man von saisonalen Preisschwankungen. In den Wochen und Monaten nach Weihnachten etwa sinken die Edelsteinpreise häufig. Investieren sollte man ferner nur bei Anbietern, die neben einer seriösen Beratung auch entsprechende Gutachten von namhaften gemmologischen Instituten kostenlos zur Verfügung stellen. Diese Expertisen umfassen neben der detaillierten Beschreibung und Graduierung oft auch eine aktuelle Einschätzung des Marktwertes, was aus Versicherungsgründen wichtig ist. Und schließlich sollte man nicht kreuz und quer einkaufen, sondern seine Vorlieben klar definieren. Mancher Kunde kauft zum Beispiel nur Edelsteine in einer bestimmten Schliffform. Ein anderer Kunde von mir hat über Jahre hinweg ganze Farbreihen mit Turmalinen aufgebaut. Ein wirklich faszinierender Anblick.

Bilder: Carat-Online.AT

 

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