Geschrieben von: Michael Brückner   

Luxus-Aktien: Nach der Krise
neuer Glanz im Portfolio

Champagner-Laune

Bild: Panthermedia - Mit Luxus wieder Geld verdienen

Wahre Werte sind eben unvergänglich:

Nach einem tiefen Einbruch erholt sich die Luxusgüterbranche schneller als erwartet. Gefragt ist indessen zeitlose Eleganz und kein „Marketing-Bling-Bling“. Auch an den Finanzmärkten konnte man in den vergangenen Wochen mit Luxus wieder Geld verdienen.

Analysten, Consultants und Wirtschaftsjournalisten waren sich einig: Der Luxusgüter-Industrie stünden harte Zeiten bevor, vermutlich würde das eine oder andere Label gar vom Markt verschwinden, lautete das Urteil unisono. Das war zum Jahreswechsel 2008/2009 – und es gab gute Gründe, so zu denken. Die Welt stand am Rande einer Finanzkatastrophe von nie geahnten Ausmaßen. Namhafte Banken waren bereits zusammengebrochen, Anleger hatten Milliarden Dollar und Euro verloren, erstmals standen ganze Staaten vor dem Bankrott.

Um das Schlimmste zu verhindern, mussten die Regierungen der führenden Wirtschaftsnationen ihre schlingernden Geldinstitute mit unglaublichen Summen stützen.

Keine Boni, keine Klunker

Wer denkt in solchen Zeiten noch an Luxus? Selbst schwerreiche Scheichs und russische Oligarchen halten ihr Geld zusammen, wenn draußen ein wirtschaftlicher Orkan tobt. Und Banker, die zumindest vorübergehend auf Boni verzichten mussten, kauften ihren Frauen und Freundinnen eben auch weniger Klunker. Allein der Juwelier Tiffany’s verzeichnete nach der Pleite von Lehman Brothers einen Umsatzeinbruch von 35 Prozent. Die Schockwellen der Krise erreichten beinahe jeden Winkel der Welt: Während sich die Deutschen um ihre Spareinlagen sorgten, bangten die Minenarbeiter in Botswana und Namibia um ihre Jobs. Die Nachfrage nach Rohdiamanten ging drastisch zurück. Nach Angaben des Beratungsunternehmens Bain & Co. schrumpfte der weltweite Luxusmarkt 2009 um acht Prozent.

Bild: Panthermedia - Luxus-Aktien

Knapp ein Jahr danach reibt man sich verdutzt die Augen: Schneller als erwartet hat sich die Luxusbranche erholt. Damit bestätigte sich im Übrigen, was die Redaktion von „Luxus-Momente“ auch auf dem Höhepunkt der Krise immer wieder betonte: Die Luxusgüter-Branche ist zwar nicht resistent gegen Konjunktureinbrüche, wie bisweilen behauptet wird. Aber sie erholt sich oft schneller als andere Bereiche der Wirtschaft.

Uhrenbranche tickt wieder richtig

Einige Momentaufnahmen vom Frühjahr 2010: Experten berichten seit Beginn des Jahres, die Nachfrage nach Rohdiamanten habe „explosiv zugenommen“. Fast schon wieder Champagnerlaune herrschte überdies auf dem Genfer Uhrensalon SIHH und auf der führenden Uhren- und Schmuckmesse Baselworld. Erstaunlich, denn selbst den großen Uhrenherstellern steckt der Schock von 2009 noch in den Gliedern. Die ansonsten so erfolgsverwöhnte Schweizer Uhrenindustrie hatte im vergangenen Jahr einen Einbruch bei den Exporten von 22,3 Prozent oder rund vier Milliarden Schweizer Franken hinnehmen müssen. Mittlerweile sprechen die Eidgenossen von einer klar erkennbaren Trendumkehr. Vor allem dank der guten Nachfrage aus China.

Dass die Schweizer Uhrenindustrie wieder richtig tickt, hat auch die Börse wahrgenommen. Die Aktie des Swatch-Konzerns (unter anderem Omega, Tissot, Breguet, Blancpain, Glashütte Original) stieg von rund 155 Euro im Herbst vergangenen Jahres auf über 240 Euro im April 2010. Die Kriegskassen des Konzerns sind gut gefüllt, angeblich steht Bulgari auf der Kaufliste.

Neuer Glanz für’s Portfolio?

Bei den Mitbewerbern stehen die Aktien ebenfalls im wahrsten Sinne des Wortes gut. Für einen Anteilsschein am weltweit zweitgrößten Luxuskonzern, der Richemont-Gruppe (unter anderem Cartier, IWC, Jaeger Le Coultre, Lange & Söhne, Montblanc), zahlte man im Herbst des Krisenjahres 2009 noch 18 Euro. Im Frühjahr lag der Preis knapp unter 30 Euro. Aufwärts – wenngleich volatiler – ging es zudem mit dem Aktienkurs des Marktführers Louis Vuitton Moet Hennessy (LMVH), der über ein deutlich breiteres Portfolio an Luxusmarken verfügt als Swatch und Richemont. Zur Gruppe gehören neben Louis Vuitton auch renommierte Champagner- und Weinhäuser sowie die Uhrenmarken Hublot, Tag Heuer und Zenith. Fast 88 Euro musste man im Frühjahr 2010 für eine Aktie von LVMH zahlen. Im Herbst 2009 hatte man sie für 66 Euro bekommen.

Hermés wiederum überraschte Analysten und Journalisten mit einer Umsatzsteigerung von 8,5 Prozent im Krisenjahr 2009. „Die Krise hat die Luxusbranche nicht umgebracht“, resümiert „Newsweek“ und zeigt den Zukunftstrend klar auf: zeitlose Eleganz sei gefragt. Auf der Strecke blieben Trendy-Produkte zu wahren Mondpreisen, die mit aufgeblasenen Marketingbudgets, aber ohne inneren Wert auf den Markt kämen.

Wir schließen uns dieser Meinung an. Nicht von ungefähr ging die Krise zum Beispiel an Patek Philippe fast spurlos vorbei. Grund: Uhren aus der Genfer Nobelmanufaktur wurden zunehmend als Kapitalanlage gekauft.

Mit einem KGV von über 20 sind die führenden Luxusaktien derzeit zwar kein ausgesprochenes Schnäppchen mehr, wer sich jedoch ein wenig Glamour ins Portfolio holen möchte, kann mit einer überschaubaren Depotbeimischung aus Papieren von Swatch, LMVH oder Richemont eigentlich nicht viel falsch machen. Unser Favorit bleibt die Swatch-Gruppe, auch wenn uns die Produkte von Richemont besser gefallen.

Der Autor dieses Beitrags ist Verfasser des Buches „Megamarkt Luxus“, erschienen im Finanzbuchverlag München.

 
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