Geschrieben von: Michael Brückner   

Zigarre als Investment: Nur
blauer Dunst oder ein Blue chip?

Bild: Panther Media

Wenn der Humidor zum Tresor wird: Mit manchen Edel-Zigarren lässt sich sogar Geld verdienen. Dennoch ist dieses Investment nur etwas für Aficionados, die sich sehr gut auskennen und darin einen Teil ihrer genussvollen Leidenschaft sehen. Welche Provenienzen kommen überhaupt in Betracht, welche Marken überzeugen? Die Luxus-Momente-Redaktion hat die Antworten.

Nicht verführen lassen: Nur Nichtraucher machen Rendite

Manches Investment kann unversehens in Rauch aufgehen. Das weiß die Anlegergemeinde spätestens seit der Lehman-Pleite im Herbst 2008. Bei Zigarren ist das ganz wörtlich zu nehmen, denn ähnlich wie bei Top-Weinen steht der Aficionado bei diesen edlen Tabakprodukten oft vor der Versuchung, sich dem Genuss hinzugeben - statt seine Havannas im Humidor aufzubewahren und auf eine Wertsteigerung zu hoffen. Eine Stunde Tabakgenuss, und die Renditeerwartung zerfällt in Asche. Wer mithin Feuer und Flamme für edle Zigarren ist, sollte schon sehr stark bleiben, wenn er auf eine Rendite spekuliert.

Mehr noch als beim Wein stellt sich die Frage, ob gesuchte Zigarren tatsächlich als Kapitalanlage taugen, oder ob es sich nicht doch eher um ein beliebtes Alibi für Zeitgenossen handelt, die schon mal für eine Davidoff Aniversario No. 1 knapp 45 Euro pro Stück hinblättern. Auch die Doppelcorona Colón Grand Vintage 2001 aus Panama gehört mit knapp 29 Euro pro Stück sicher schon zu den Investment-grade Zigarren.

Erste Wahl aus Panama: Die Colon Doppelcorona Grand Vintage 2001.

Bild: Brückner

Alles nur blauer Dunst? Die Meinungen gehen auseinander. "Zigarren bieten durchaus gute Renditechancen. Allerdings kommt es auf die Besonderheit des Deckblattes und der Tabakkomposition, das Alter, die Herkunft und den Hersteller an", weiß der Finanzexperte und Buchautor Valentin Brodbecker. Marc Benden, Chef des Düsseldorfer Unternehmens Tabac Benden, äußerst sich schon deutlich zurückhaltender: "Wir haben durchaus ein paar alte Davidoffs in unserem Privatbestand, für die uns schon viel Geld geboten wurde. Generell sind Zigarren für mich jedoch eine Genuss- und keine Assetklasse".

Trotzdem haben rare Tabakprodukte aus dem High-end-Segment schon so manchen Connaisseur glücklich gemacht. Und zwar nicht etwa beim formvollendeten Genuss, sondern beim Verkauf der Zigarren. Im Jahr 2007 zum Beispiel wechselte eine Box mit 25 Stück La Flor de Cano Short Churchills für umgerechnet 8.300 Euro den Besitzer. Ein Humidor mit 96 Stück Hoyo de Monterrey Diademas brachte es bei einer Auktion auf 12.000 Euro. Und eine gut gelagerte Davidoff "Aniversario 80" aus dem Jahr 1985 dürfte heute einen Wert zwischen 700 und 800 Euro pro Stück haben.

Ein Randthema für Freaks

Längst haben auch professionelle Marktteilnehmer die Chance erkannt, mit Nobel-Zigarren Geld zu verdienen. Auf dem Investmentmarkt sind die Aficionados nicht mehr unter sich, seit bei renommierten Auktionshäusern edle Havannas versteigert werden. Und vor einigen Jahren legte sogar ein Düsseldorfer Finanzdienstleister einen geschlossenen Fonds auf, der gezielt in renditeträchtige Zigarren und deren Vertrieb investierte. So richtig erfolgreich waren jedoch weder die Auktionatoren noch die Fondsmanager. Cigar-Investments bleiben eben ein Randthema für Freaks und können nicht etwa mit dem Renditepotenzial großer Spitzenweine verglichen werden.

Wahre Größe: Davidoff Aniversario No. 1

Bild: Brückner

Dennoch erfüllt es manchen Zigarrenfreund durchaus mit Besitzerstolz, wenn er einige der teuersten Exemplare in seinem Humidor aufbewahrt, von denen er weiß, dass er sie mit etwas Glück mit einem schönen Gewinn verkaufen könnte. Doch welche Kriterien müssen erfüllt sein, um überhaupt auf eine nennenswerte Rendite hoffen zu dürfen? Ähnlich wie beim Wein kommt es zunächst auf die Provenienz und die Marke an. Was für die Bacchus-Jünger Bordeaux, ist für die Zigarren-Freunde Havanna, selbst wenn auf Castros kommunistischer Zuckerinsel in den vergangenen Jahren viel geschlampt wurde, was zu deutlichen Qualitätsschwankungen führte.

Daher sind vor allem Jahrgangs-Zigarren ("vintage cigars") aus früheren Zeiten gefragt. Havannas aus den Jahren vor 1998 weisen im Allgemeinen eine gute Qualität auf. Und natürlich wirken große Namen mit hohem Prestigefaktor potenziell wertsteigernd. Hierzu zählen Davidoff, Cohiba, H. Upmann, Hoyo de Monterrey, Montechristo, Partagas, Ramon Allones sowie Romeo y Julietta.

Hoch im Kurs stehen die erwähnten "vintage cigars", die aus den besten Tabaken eines Jahrgangs per Hand gerollt werden. Mitunter liegen diesen Zigarren Zertifikate bei, aus denen die Fermentationszeit, der Monat der Produktion und die Reifezeit hervorgehen. Schließlich können sich auch außergewöhnliche Formate wertsteigernd auswirken. Besonders großformatige Zigarren haben in dieser Hinsicht Vorteile. Die Davidoff Aniversario No.1 beeindruckt zum Beispiel durch ihr stattliches Gigante-Format. Ferner werden Doppelcoronas sowie die Formate Lonsdale und Churchill geschätzt. Zur hohen Schule der Zigarrenherstellung zählt ferner das Format Doppel-Figurado, also Zigarren mit einem konischen Körper, der sich nach beiden Enden verjüngt. Dieses Format gleicht einem Mini-Zeppelin.

Wer in Zigarren investieren möchte, braucht neben einem hohen Maß an Expertise in erster Linie einen wirklich guten Feuchtschrank (Humidor), denn ansonsten sind die guten Stücke bald so brüchig wie manche Hoffnung der Anleger.

 

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