Geschrieben von: Andrea Przyklenk   

Möbeltrends 2010
Die neue Bescheidenheit

Trickery: Bunt und kreativ –
Hocker „Handle“ von TemaHome.

Trickery: Bunt und kreativ

Im Januar wurden auf Deutschlands größter Möbelmesse, der „imm cologne“ die neuesten Möbeltrends gezeigt. Eigentlich ist fast alles erlaubt. Im „Trendbook“ wurden jedoch „Trickery“, „Comfort Zone“, „Rehab“ und „“Discipline“ als die vier wichtigsten Strömungen identifiziert. Nach wie vor liegt der Rückzug in die eigenen vier Wände angesichts der Unbilden der Welt im Trend.

Dort möchte man es so individuell wie kuschelig haben. Krise, Korruptions- und Politskandale, Angst vor der Zukunft haben die Welt aus den Fugen geraten lassen. Man will wieder auf den Boden der Tatsachen kommen, zur Normalität zurückkehren. Vieles ist nicht mehr ganz so verrückt, sondern eher klar und einfach, an der Natur orientiert.

Möbeltrends 2010

Purismus und Qualität

Dem tragen die Trends Rehab und Discipline Rechnung. Bei Rehab dominieren klare, kantige Formen, die Möbelstücke erscheinen nahezu unauffällig. Weiß, Grau- und Gelbtöne dominieren. Farbiges Plexiglas und geflochtene Strukturen sorgen als Einsätze für Auflockerungen. Die Möbel im Rehab-Stil Gestricktes Papier, hochflorige Teppiche, runde Keramikfliesen, strukturierte und geknitterte Textilien drücken den Wunsch nach Wohnlichkeit aus. Braun- und Beigetöne, Senfgelb sind die vorherrschenden Farben, akzentuiert durch Rubinrot und Finkengrün.

Comfort Zone: Runde Formen – behagliche Gemütlichkeit 2010 –
Sofa „Fashino Supersoft“ von Calligaris.

Trends 2010

Beim Trend Discipline wird man an Bauhaus-Zeiten erinnert: schlanke, schlichte Konstruktionen, nichts Opulentes, funktional, alltagstauglich und zeitlos. Im Trendbook steht dazu: „Wir spielen schon lange keine Spiele mehr. Wir meinen es verdammt ernst. Wir können es uns nicht mehr leisten, Material oder Ressourcen zu verschwenden.

Wir brauchen eine neue Ratio, eine Vernunft der Dinge, die diese bis ins kleinste Detail durchdringen muss.“ Die Möbel sind sehr funktional und alltagstauglich, bieten genau das, was nötig ist. Die vorherrschenden Materialien sind Metalle und Textilien, Holz und Leder.

Viel Platz für zwei oder drei – „Morena“ von Leolux.

Morena von Leolux

Behaglichkeit in der Kuschelzone

Die Comfort Zone sperrt die chaotische Welt aus und schwelt in Individualität. Sogar weit ausladende Ohrensessel sind erlaubt. Die Sitzmöbel sind groß und kuschelig, laden zum Liegen ein. Abgerundete Kanten, Kissen und voluminöse Formen sind erwünscht. Kunststoffe werden mit natürlichen Materialien verknüpft, Leder und Holz werden mit eingefärbten Furnieren und Kork gemischt. Die Farben wirken leicht verblichen bzw. mattiert. Flieder, Apricot, Himmelblau und rötliche Erdtöne spielen die Hauptrolle.

Experimentierfreudig und bunt

So könnte man Trickery beschreiben. Überraschend und neu soll es sein. Der Stil zeichnet sich durch die wilde Zusammensetzung von Materialien und geringe Alltagstauglichkeit aus. Es wird geklappt, gefaltet, ineinander geschoben. Plastik, Folie, Plexiglas, Leder – alles ist erlaubt. Die Trickery-Möbelstücke sind oft Einzelstücke, Eyecatcher oder Accessoires, die nicht unbedingt einem Zweck dienen, aber dem Raum ein eigenes Gepräge verleihen.

Rehab: Funktional und schnörkellos –
„Dreamline Vico“ von Gruber-Schlager.

Dreamline Vico

Abgesehen von allen Trends bleiben Schwarz und Weiß Dauerbrenner. Funktionalität wird hier mit Design kombiniert, auch in Büros und häuslichen Arbeitszimmern. Einem zu kühlen Eindruck wird die Beleuchtung genutzt. Dafür werden Hänge- und Stehlampen, aber auch LED-Spots in unterschiedlichen Farben eingesetzt.


Doch nach wie vor gilt: Wohnräume sind zum Wohnen da. Die Bewohner müssen sich in ihnen wohl fühlen. Auch Stilbrüche können gut aussehen und Behaglichkeit ausstrahlen. Wer es bunt und chaotisch mag, sollte sich nicht in die Schwarz-Weiß-Ecke drängen lassen und wer klare Formen verabscheut, tut sich keinen Gefallen, wenn er sich im Bauhaus-Stil einrichtet, weil das gerade der Trend ist.

Es soll auch Menschen geben, denen es völlig egal ist, ob ihre Möbel up-to-date sind. Sie haben den alten Wohnzimmerschrank der Oma neben dem Sitzmöbel von Leolux stehen und fühlen sich trotzdem wohl. Man mag das despektierlich finden (gegenüber dem Leolux-Teil), doch was zählt, ist letztlich der Wohlfühlfaktor.

 
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