Geschrieben von: Tina Maurer   

Eileen Gray: Ihrer Zeit voraus
Pionierin des modernen Designs

Eileen Gray verbrachte fast ihr ganzes Leben in Paris.

Bild: Schirmer/Mosel

Wer heute von Eileen Gray entworfene Möbelstücke in seiner Wohnung stehen hat, kann ziemlich sicher sein, dass sie nur von Kennern richtig eingeordnet werden können. Denn Eileen Grays Entwürfe haben zahllose moderne Designer inspiriert und waren ihrer Zeit weit voraus. Ihre Entwürfe fügen sich harmonisch in eine heutige moderne Wohnung. Wie keinem zweiten ist es ihr gelungen, Funktionalität und Design zusammen zu führen. Ihr Name wird in einem Atemzug mit Le Corbusier, Mies van der Rohe und Marcel Breuer genannt.

Der Beistelltisch E.1027 ist zeitlos elegant.

Bild: Schirmer/Mosel

Exemplarisch für ihren Stil und noch heute einer der am meisten kopierten Entwürfe der klassischen Moderne ist ihr Tisch E.1027. Er ist höhenverstellbar, lässt sich mit dem Standfuß unter Sitzmöbel schieben und am Griff leicht transportieren. Die Verwendung moderner Materialien wie Stahlrohr und Glas bei diesem Tisch war ein weiteres Merkmal von Grays Entwürfen. Auch ihr Sessel „Bibendum“, der stark an das Michelin-Männchen erinnert, ist ein Klassiker.

Von Irland nach Paris

Eileen Gray wurde 1878 in der irischen Grafschaft Wexford geboren. 1906 zog sie nach Paris, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1976 mit nur einer Unterbrechung lebte. Anfangs befasste sie sich hauptsächlich mit japanischer Lackkunst, die sie mit ihren Paravents zu höchster Vollendung führte. 1919 wurde sie damit beauftragt, die Wohnung von Madame Mathieu Lévy in der Rue de Lota zu gestalten und zu möblieren. In Südfrankreich entwirft sie sich ihr eigenes Haus – E.1027, das sie auch einrichtet. Angeblich ließ es Le Corbusier vor Neid erblassen. Heute ist es ein Nationales Kulturdenkmal. Doch obwohl die Pariser Szene von ihren Möbeln ebenso begeistert ist wie Somerset Maugham und Gertrude Stein, wurde sie erst in den 70er-Jahren im internationalen Rahmen anerkannt.

Unbezahlbar

Das Fauteuil aux Dragons wurde für einen zweistelligen Millionenbetrag verkauft.

Bild: Schirmer/Mosel

sind heute Grays rare Vintage-Objekte, zumindest für den normal sterblichen Liebhaber. Der sollte besser auf Re-Editionen ausweichen, die es zahlreich gibt. Hier bleibt man meistens im vierstelligen Bereich. Fündig wird man unter anderem bei www.classicon.com, www.classicstyle.org und www.timelessclassics.net

Ganz anders sieht es aus, wenn das Werk von der Designerin selbst gearbeitet bzw. unter ihrer Aufsicht gefertigt wurde. Auf einer Auktion bei Christie’s im Februar 2009 wurden vier Objekte aus unterschiedlichen Schaffensperioden versteigert. Für eine Lackarbeit von 1915/1917 wurden fast vier Millionen Euro erzielt. Der Sessel „Fauteuil aux Dragons“ von 1917/1919 brachte mit 21.905.000 Euro den höchsten jemals erzielten Preis für ein Möbelstück des 20. Jahrhunderts ein.

Der Lampenentwurf „Satellite“ von 1925 erzielte knapp 2,1 Millionen Euro. Diese Lampe wurde 1980 auf einer Auktion in Monaco noch für etwa 3.000 Euro verkauft.

Bild: Cover- Eileen Gray Leben und Werk

Tipp: Wer sich für Eileen Grays Werk interessiert, sollte sich das bei Schirmer/Mosel erschienene Buch „Eileen Gray“ von Prof. Peter Adam nicht entgehen lassen. Kostet 78 Euro und gibt einen umfassenden Überblick über Leben und Werk der Designerin.

Autor ist der britische Kunstkritier und Autor zahlreicher Bücher. Er legt mit diesem Buch eine revidierte, um Informationen und neu entdeckte Materialien bereicherte Fassung seiner 1984 erschienenen ersten Biographie vor.

 
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