Geschrieben von: Michael Brückner   

Markenporträt Steinhart: Markante Uhren zu ehrlichen Preisen

Steinhart Watches

Starkes Design, Schweizer Qualität und faire Preise – mit diesen Leitlinien ging vor einigen Jahren Günter Steinhart an den Start. Heute hat der Uhrenhersteller aus Augsburg eine internationale Fangemeinde.

Wir trafen den ehemaligen Architekten, der sein Hobby zum Beruf machte und sprachen mit ihm nicht nur über seine Kollektion, sondern auch über seine Motivation, in eine Branche zu wechseln, die in starkem Maße von Marken geprägt wird, die zu globalen Luxusgüterkonzernen gehören.

Es war eine Karriere, die genug Stoff für einen spannenden Roman oder einen Sonntagabendfilm im ZDF hergäbe: Ein Junge aus kleinen Verhältnissen, dem die Eltern keine wirklichen Bildungschancen eröffnen konnten, der aber trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – nach Wissen dürstete. Er absolvierte eine Lehre als Tischler und wälzte abends teilweise bei Kerzenschein dicke Bücher, um sich weiterzubilden. Präzise Mechanik, Physik und die Musik interessierten den jungen Engländer.

Günter Steinhart

Der Pfarrer der Gemeinde erkannte das Talent des offenkundig maßlos unterschätzten Tischlers und lieh ihm ein Buch des Mathematikers Nicholas Saunderson von der Universität Cambridge, das den wissbegierigen Leser in die faszinierende Welt der hochpräzisen Mechanik einführte. Angetrieben von seiner Affinität zu diesem Thema bildete sich der Engländer autodidaktisch zum Uhrmacher weiter. Mit zwanzig Jahren baute er seine erste Pendeluhr, später eine vielbeachtete Stalluhr mit einem hölzernen Gangwerk. Danach nahm er, der nie eine Uhrmacherlehre absolviert hatte, eine Herausforderung an, die schon manchen großen Meister seiner Zunft an den Rand der Verzweiflung getrieben hatte. Er konstruierte eine schiffstaugliche Präzisionsuhr, die endlich das Längengradproblem löste.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Schiffsbesatzungen mit einem nicht ungefährlichen Problem zu kämpfen: Während die Bestimmung der geographischen Breite relativ einfach war, erwies sich die präzise Feststellung des Längengrads als schwierig bis unmöglich. Solange jedenfalls, bis der ehemalige Tischler im 18. Jahrhundert den Marine-Chronometer baute und in der Folgezeit ständig weiterentwickelte. Der Name des Meisters ist heute jedem Uhrenfreund bekannt: John Harrison. Er löste das Längengradproblem – und wurde dank dieser Innovation zu einem wohlhabenden Mann.

Uhr Military

Auch Günter Steinhart gehört zu den Bewunderern des genialen Briten. Der Inhaber des Augsburger Uhrenherstellers Steinhart Watches hat in seiner Premiumkollektion sogar einen Marine-Chronometer für’s Handgelenk. „Eine Hommage an die Leistung von John Harrison“, sagt der Uhrenliebhaber, der im Jahr 2002 seinen ursprünglichen Beruf als Architekt aufgab und sein Hobby zu einem mittlerweile recht einträglichen Geschäft machte.

Wenn eine Uhr eine Hommage an den großen John Harrison sein soll, dann muss sie sich durch uhrmacherische Raffinessen auszeichnen. Ein Blick durch den Saphirglasboden von Steinharts Premium-Zeitmesser liefert überzeugende Argumente. Jeder Uhrenfan wird auf dem mit viel Liebe zum Detail modifizierten und verzierten Unitas Handaufzugwerk 6498 gleichsam mit den Augen „spazieren gehen“. Schwanenhals-Feinregulierung, Schraubenunruh, Genfer Schliff, gebläute Schrauben – kurzum alles, was Uhren-Gourmets zu schätzen wissen.

Aviation

Premiummodelle in der Kollektion

„Was glauben Sie, kostet diese Uhr?“, fragt uns Günter Steinhart, den wir im Showroom seines Unternehmens treffen. Nun gut, jeder, der sich in der Branche etwas auskennt, weiß, dass Steinhart zu den günstigen Anbietern von mechanischen Uhren zählt und dabei ausnahmslos auf Schweizer Qualität setzt. Aber eine Uhr mit so hochwertigem Werk sowie Saphir-Gläsern über dem Zifferblatt und im Boden wird selbst bei einem preiswerten Hersteller wohl deutlich über tausend Euro kosten. Stammte die Uhr von einem der großen eidgenössischen Marken, wären wohl 2500 bis 3000 Euro eine realistische Schätzung. „Bei mir kostet diese Uhr 840 Euro“, sagt Günter Steinhart und freut sich ein wenig über das verdutzte Gesicht seines Gegenübers. Auch die anderen Premiummodelle der Augsburger Marke – klassische Beobachtungsuhren mit 44 beziehungsweise 47 Millimetern Durchmesser und einem verzierten Unitas-Werk – bekommt der Uhrenfan für 840 Euro. Preise, bei denen der Kaufimpuls besonders ausgeprägt ist.

Dabei bewegen sich diese Zeitmesser in Steinharts Preisspektrum schon im oberen Drittel. „Unsere Kollektion beginnt mit Uhren für 350 Euro und endet bei 1300 Euro“. Die Bestseller der Marke liegen zwischen 400 und 600 Euro. Und dafür erhält man so manchen Leckerbissen, wovon wir uns bei unserem Besuch überzeugen konnten. „Wir haben sehr viele Modelle, vielleicht schon zu viele“, räumt Günter Steinhart ein. Also bleibt nur, selektiv vorzugehen und die persönlichen Favoriten unter die Lupe zu nehmen.

Zeitmesser

Dazu gehört ein markanter, auf 333 Stück limitierter Zeitmesser, der von historischen Vorbildern inspiriert wurde. Die „Nav. B-Uhr Limited Silver Edition“ weist das klassische Design einer Beobachtungsuhr auf. Dazu gehört nicht zuletzt ein stattlicher Durchmesser von 47 Millimetern. Im Inneren tickt ein Unitas 6497 Handaufzugwerk von hoher Schweizer Güte. Ein Blick auf das Zifferblatt offenbart eine besondere optische Raffinesse. Es handelt sich um ein silbernes, mit Leuchtmasse unterlegtes Sandwich-Zifferblatt, das in dieser Form höchst selten und wenn, dann nur bei den teuren Schweizer Marken zu finden ist. Überraschend günstig der Preis: 490 Euro. Dafür bekommt man oft nur Quarzuhren oder Zeitmesser mit asiatischem „Innenleben“.

Nicht nur für (Hobby-)Piloten attraktiv dürften die Uhren der Aviation-Reihe sein, deren Design den Flugzeug-Bordinstrumenten nachempfunden wurde. Diese Zeitmesser gibt es sowohl mit Handaufzug- als auch mit Schweizer Automatikwerken. Besonders interessant erscheint uns das GMT-Modell mit zweiter Zeitzone. Wer sich für eine Steinhart „Aviation“ entscheidet, kann sich diesen Wunsch zu Preisen zwischen 395 und 460 Euro erfüllen. Ein Hingucker der besonderen Art ist der „Marine Timer“ aus Edelstahl, dessen Design sich anlehnt an die früheren Stoppuhren für U-Boote. Mit ihrer Hilfe ließ sich die Laufzeit von Torpedos stoppen. Besonders auffällig: Die griffige Krone bei „9 Uhr“ mit Tragebügel, wie man ihn von Taschenuhren kennt. Dieser Zeitmesser wird aktuell für 385 Euro angeboten.

Fliegeruhr

„Mit am besten verkaufen sich die Ocean-Modelle aus unserer Taucheruhren-Kollektion“, berichtet Günter Steinhart. Vielleicht liegt es daran, dass ihr Design dem einer bekannten Schweizer Sportuhrenmarke ähnelt, deren Name weltweit synonym steht für Luxusuhren. Steinhart hat damit keine Probleme: „Dieses Taucheruhren-Design ist nicht geschützt. Und wenn eine gute Nachfrage nach Uhren dieser Art besteht, warum sollen wir ihr nicht nachkommen? Bei uns bekommt man diesen Zeitmesser für 390 bis 450 Euro“. Uns überzeugte vor allem die Ocean Forty-Four GMT Black-Red mit einem schwarz-roten Lünetten-Inlay aus Saphirglas. Eine Hommage an die Motorsportgeschichte der 1960er und 1970er Jahre sind schließlich die Uhren der Le Mans-Serie, die für 435 Euro zu haben sind.

Begehrt: limitierte Sondermodelle

Uhr Trition-Bicolor

Soweit einige der aus unserer Sicht markantesten Uhren aus der Kollektion von Günter Steinhart. Hinzu kommen zahlreiche Sondermodelle, die nur in limitierter Auflage hergestellt werden. So zum Beispiel eine Uhr zum 50jährigen Bestehen des Jagdgeschwaders 74 Donauwörth. Von diesem Modell wird es nur 350 Stück geben. Und natürlich ist zum zehnjährigen Bestehen der Marke Steinhart im Jahr 2012 ein besonderes Sondermodell geplant. Manche Uhren entstehen zudem durch den intensiven Austausch mit Interessenten im Internet. Günter Steinhart nennt sie nicht „Kunden“, sondern „meine Fans“. Und diese Fangemeinde reicht mittlerweile quer durch Europa bis nach Russland sowie in die USA und nach Asien.

Eine Armbanduhr weckt immer Emotionen. Individuelle Geschmacksfragen spielen dabei eine große Rolle. Als Hersteller kann man auf diese Tatsache reagieren und Uhren auf den Markt bringen, die dem Mainstream entsprechen und jedem irgendwie ein bisschen gefallen. Günter Steinhart lässt keinen Zweifel daran, dass er seiner Linie treu bleiben will. Männlich und markant sollen seine Zeitmesser sein – dabei qualitativ hochwertig mit Schweizer Mechanik. Wer seine Internetseiten aufruft (www.steinhartwatches.de) stößt gleich auf den vertrauensfördernden Qualitätshinweis „Swiss Made in Jura“. Wenn ein Interessent seinen Showroom verlässt und keine Uhr erwirbt, ist das für Steinhart völlig in Ordnung. „Natürlich, meine Uhren sind Geschmackssache. Dem einen gefallen sie, dem anderen nicht“. Und obwohl er keine Verkaufszahlen nennen möchte, lässt allein sein Mienenspiel erkennen, dass jene, denen diese Zeitmesser gefallen, in der großen Überzahl sind.

MH 1 Zeitmesser

Doch wie kommt ein Diplom-Ingenieur und erfolgreicher Architekt auf die Idee, plötzlich Uhren zu bauen? „Ich bin schon seit vielen Jahren ein leidenschaftlicher Uhrenliebhaber. Allerdings habe ich mich immer darüber geärgert, zu welchen Preisen selbst Kleinigkeiten wie Uhrenarmbänder verkauft werden. Mein Ziel war und ist es, Uhren zu einem ehrlichen Preis anzubieten. Das funktioniert natürlich nur im Direktvertrieb“. Wer also eine „Steinhart“ erwerben möchte, kauft im Onlineshop, oder aber er schaut direkt bei Steinhart Watches in Augsburg (Kobelweg 12 ¼) vorbei. Dass er sich mit seinen kundenfreundlichen Preisen bei den etablierten Wettbewerbern nicht immer Freunde macht, weiß der Augsburger. Allerdings gewinnt man nicht den Eindruck, dass ihn diese Tatsache besonders grämen würde.

Bleibt die Frage, wie sich ein „David der Uhrenbranche“, der er trotz seines erkennbaren Erfolgs ist, gegen das Oligopol der „Goliaths“ vor allem schweizerischer und deutscher Provenienz durchsetzt. Immerhin ist es bekanntermaßen für kleinere Hersteller nicht immer einfach, Werke und andere Komponenten aus der Schweiz zu beziehen. Steinhart hat sich im Laufe der Jahre ein ziemlich starkes Netzwerk aufgebaut – mit Kompetenz, Fairness im Umgang mit den Handelspartnern und einem kräftigen Schuss von natürlichem Charme. Das hilft bisweilen ungemein. Gern erzählt Günter Steinhart zum Beispiel die Geschichte mit den Schwanenhälsen. Für seine Premiummodelle wünschte sich der Augsburger eine Schwanenhals-Feinregulierung – traditionsgemäß ein Merkmal aufwändiger Uhrwerke. Er fragte einen Hersteller, der aber eng mit einem der großen Uhrenkonzerne verbunden ist und keine Nachteile in der Geschäftsbeziehung mit seinem Kunden riskieren wollte. Aber immerhin gab man Günter Steinhart einen wichtigen Tipp mit auf den Weg. In einer kleinen Schweizer Gemeinde ganz in der Nähe fand er einen Familienbetrieb, der nun für Steinhart Schwanenhälse vom Feinsten herstellt. „In der Schweiz finde ich Partner, die mich bei der Umsetzung meiner Uhren unterstützen. Und in Deutschland steht mir eine engagierte Truppe von derzeit 12 Mitarbeitern zur Seite, darunter Uhrmacher und Designer“, erläutert Günter Steinhart.

Zu seinen Kunden (oder Fans, wie er sagen würde) pflegt er nach Möglichkeiten einen direkten Kontakt. Und so manchen Fan aus dem Ausland hat er schon glücklich gemacht, indem er persönlich mit ihm telefonierte. Das ist Kundennähe der ganz direkten Art.

 

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