Geschrieben von: Michael Brückner   

Höchste Rauchkultur aus der Laura Chavin Cigars GmbH

Bild: Laura Chavin

Laura Chavin: Das „braune
Gold“ von Schloss Hochdorf

Bei Freunden edler Cigarren zählt Schloss Hochdorf bei Stuttgart zu den allerersten Adressen. Dort nämlich hat Laura Chavin ihren standesgemäßen Sitz. Und dieser Name verbindet sich nun schon seit einer Reihe von Jahren mit höchster Rauchkultur. Wir besuchten den Mann, der hinter der Marke mit dem Frauennamen steht.

Genuss ist steigerungsfähig, auch wenn Puristen dies bisweilen bestreiten mögen. Eine Premium-Cigarre aus Tabaken von bester Provenienz korrespondiert zum Beispiel hervorragend mit edlem Wein oder anspruchsvollen Cognac-Cuvees. Diese genussverstärkenden Kombinationen liegen nahe, immerhin handelt es sich in allen Fällen um Naturprodukte, die mit dem Wissen und der Leidenschaft von qualitätsbesessenen Menschen veredelt und somit in die Spitzenliga befördert werden.

Helmut Bührle

Bild: Laura Chavin

Doch während unseres Treffens mit Helmut Bührle, Gründer und Geschäftsführer der Laura Chavin Cigars GmbH in Hochdorf bei Stuttgart, sprechen wir auffallend häufig über die Analogien von hochwertigsten Uhren und feinsten Cigarren. Denn es geht nicht allein um Genüsse, sondern um die Kultivierung der Sinne für alles Schöne und wirklich Gute. Der Markenname der Genfer Manufaktur Patek Philippe steht für Helmut Bührle gleichsam synonym für die Kunst edelster Uhrmacherei und die Konsequenz, selbst bis zum letzten, vermeintlich unscheinbaren Detail auf kompromisslose Qualität zu setzen. Diese Philosophie, ist sich der Chef von Laura Chavin sicher, steht auch hinter wirklich großen Weinen – und eben hinter hochwertigen Cigarren.

Doch damit sind die Analogien keineswegs erschöpft. Uhren und Cigarren – beides hat mit Zeit zu tun. Im Fall von Uhren ist dieser Zusammenhang offenkundig, bei Cigarren eher subtil. Zeit gönnen Helmut Bührle und seine „Cigarrenmacher“ ihrem Produkt reichlich. Mindestens fünf Jahre verbringen die Tabake aus verschiedenen Provenienzen in den Reifehallen.

„Wir verarbeiten somit für die klassische Linie von Laura Chavin derzeit die Ernte aus dem Jahr 2004“, berichtet Bührle im Gespräch mit der „Luxus-Momente“-Redaktion auf Schloss Hochdorf, dem Firmensitz von Laura Chavin. Doch das Wort „Firmensitz“ klingt viel zu prosaisch, weshalb Helmut Bührle und sein Team sowie die vielen in- und ausländischen Freunde lieber vom „Maison des cigars“ schwärmen.

Zeit muss sich schließlich auch der Cigarren-Genießer nehmen, denn das „braune Gold“ (O-Ton Bührle) ist kein schneller Stressbewältiger wie die Zigarette, sondern eher schon ein kontemplativer Entschleuniger – ein Spitzenprodukt, das Hingabe und einen sensibilisierten Geschmack verlangt.

Was eine wirklich große Cigarre ausmache, wollen wir von Helmut Bührle wissen. Er antwortet, indem er das genaue Gegenteil beschreibt: „Wenn eine Cigarre ruppig ist, wenn sie rasselt, stumpf und seicht ist, dann handelt es sich um kein großes Produkt. Vielleicht ist es noch eine Tagescigarre, aber bestimmt keine Abendcigarre, um die unterschiedlichen Qualitäten einmal sehr grob zu kategorisieren“.

Das Braunes Gold des Gewölbekellers

Bild: Laura Chavin

Doch daneben gibt es Erzeugnisse, die offenkundig nicht einmal als Tagescigarre taugen. Wenige Stunden vor unserem Gespräch hatte sich Helmut Bührle eine Cigarre von einem seiner Wettbewerber angezündet: „Diese Cigarre machte zunächst einen guten Eindruck. Keine wirklich große Cigarre, aber eine gute. Doch urplötzlich löste sich dieser anfänglich gute Eindruck buchstäblich in Rauch auf. Die Cigarre hatte gar nichts mehr zu bieten. Ich legte sie nach drei gerauchten Zentimetern weg, denn so etwas möchte ich mir nicht mehr antun“.

Anfang der 1990er Jahre gründete Bührle sein Unternehmen, doch schon seine Vorfahren lebten mit und vom Tabak. Seine Mutter, die als leidenschaftliche Cigarrenraucherin manche irritierten Blicke auf sich zog, handelte vor und nach dem Zweiten Weltkrieg mit Rohtabaken und betrieb in Stuttgart zwei Einzelhandelsgeschäfte, wo schon damals Spitzenprodukte an den anspruchsvollen Connaisseur verkauft wurden. Helmut Bührle indessen entzog sich zunächst dem Glanz des „braunen Goldes“ (dieser Begriff stammt übrigens von seiner Mutter) und studierte Betriebswirtschaft, Marketing und Design. Er schuf damit die Grundlage für eine ganz andere Karriere, die mit Tabak nichts mehr gemein hatte. Als Designer arbeitete Helmut Bührle für renommierte Namen wie Hermés, Ferré und Enrico Coveri. Doch dann – Anfang der 1990er Jahren – beschloss er, wieder zu den Wurzeln der langen Tradition seiner Familie zurückzukehren. Und als wollte er den generationenübergreifenden Charakter seiner Pläne deutlich sichtbar machen, nannte er sein Unternehmen nach den Vornamen seiner Tochter: Laura Chavin.

Laura Chavin - Spitzenqualität und Eleganz

„Unser Ziel lässt sich schnell beschreiben: Wir wollten Cigarren von absoluter Spitzenqualität und Eleganz. Doch die Umsetzung dieses Ziels gestaltete sich ungleich schwieriger als die Beschreibung. Dies war ein außerordentlich schwieriger Prozess. Wir hatten die Wahl zwischen Hunderten von Blends aus Tabaken von unterschiedlichsten Provenienzen. Wir mussten bei unserer Entscheidung sicherstellen, dass wir Laura Chavin Cigarren von Anfang an in der obersten Spitze der Qualitätspyramide ansiedeln konnten. Das ist uns mit unserer ‚Klassischen Linie’ sehr gut gelungen“, berichtet Bührle.

Bild: Laura Chavin Nachdem die Cigarren der ‚Klassische Linien’ ab dem Jahr 1998 erfolgreich am Markt eingeführt waren, wuchs das Angebot stetig, aber mit Augenmaß. Hinzu kamen die Linien ‘Concours des meuilleurs connaisseurs’, ‘Pur sang’, ‘Terre de Mythe’, ‘La Vision’ und ‘La Tentation’ sowie ‘Palmarés d’Éminence’. Verglichen mit vielen Mitbewerbern sei das Sortiment noch immer relativ klein, sagt Bührle. „Unser Ziel war und ist, mit unseren Fassons die vielfältigen Geschmacksszenarien der Cigarrengenießer zu treffen“.

Und der Erfolg gibt ihm offensichtlich recht. Cigarren von Laura Chavin, die aus Tabaken von ganz unterschiedlichen Provenienzen komponiert und zu 100 Prozent in der Dominikanischen Republik verarbeitet werden, überzeugen heute Raucher in 21 Staaten. Die Konjunkturkrise habe bisher keine Spuren hinterlassen, betont Helmut Bührle: „Wir müssen unsere Marke immer an der Spitze halten. Dann wird man unabhängiger von wirtschaftlichen Schwankungen. Laura Chavin hat keine Kunden, sondern Fans“.

Und manche dieser Fans aus dem In- und Ausland besuchen häufig das „Maison des cigars“ unweit von Stuttgart-Zuffenhausen. Sie kommen, genießen Cigarren, suchen das Gespräch, besichtigen den 300 Jahre alten Gewölbekeller, in dem das „braune Gold“ lagert – und „tauchen ein in die Seele des Tabaks“, wie es Helmut Bührle beschreibt.

Er selbst genießt seine Cigarren übrigens gern zusammen mit altem Rum oder einem wirklich alten Portwein. „Dazu dann eine große, mächtige Cigarre. In solchen Momenten denke ich manchmal darüber nach, ob ich mir dies nicht täglich gönnen sollte“. Aber dazu ist Helmut Bührle vermutlich viel zu häufig unterwegs – als Botschafter seiner eigenen Cigarren.

 
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