Geschrieben von: Andrea Przyklenk   

Hurghada abseits der Touripfade

Aimen Shisha

Wer Urlaub im ägyptischen Badeort Hurghada bucht, braucht, so er nicht will, die Hotelanlage nicht zu verlassen. Je nach Standard bieten Hotels wie Mariott, Steigenberger, Grand Resort, Grand Hotel, Oberoi und die in der Macadi-Bay alles, was das Herz begehrt, inklusive Swimmingpools, privatem Strand und Shopping Mall. Die Memsha, eine eigens angelegte Flaniermeile, bietet noch mehr Shopping Malls und Cafés. Ägyptisches Leben findet man dort jedoch kaum. Ein Abstecher in die Sheratonstraße (für die eher Ängstlichen) oder ein Ausflug nach El Dahar, das alte Hurghada, lohnt sich allemal.

Gönnen Sie sich den Luxus, aus dem Luxus auszubrechen.

Deutsches Café

Und keine Angst: Das Leben pulsiert in Ägypten bis weit nach Mitternacht und mit Englisch kommt man meistens durch. Die Taxis fahren überall umher – man kann sie einfach anhalten. Zurück ins Hotel kommt man immer. Abgesehen davon sind die Ägypter in der Regel ziemlich aufgeschlossen und helfen gerne, sofern ihnen Respekt und Höflichkeit entgegen gebracht werden. In Hurghada leben viele Fremde, auch Europäer; es gibt eine deutsche Schule und ein Konsulat.

Deutsches Café zum Einstieg

Wer nicht zu den ganz Mutigen zählt, sollte seinen ersten Ausflug mit einem Frühstück im Café Il da Capo beginnen. Es liegt in der Schulstraße im Stadtteil Hadaba, unweit der Sheratonstraße, die durchaus noch zu den Touristenflaniermeilen zählt. Das Café mit seiner großen Terrasse ist leicht zu erkennen an einem Turm, an dessen Mauern sich eine rote Bougainvillea emporrankt. Die Inhaberin ist die Münchnerin Ruth Grünauer. Sie lebt seit 12 Jahren in Hurghada und hat damals das erste deutsche Café eröffnet.

Al Zahraa

„Schon mein Großvater war Gastronom“, erzählt Ruth. „Mein Ziel war es, mit 40 Jahren einen Neuanfang in einem sonnigen, südlichen Land zu wagen. Ägypten hatte ich schon oft im Urlaub besucht und es gefiel mir. Also packte ich meine Sachen und versuchte hier einen Neustart. Damals brachte ich alle Geräte aus Deutschland mit.“ Heute ist das Café der patenten Münchnerin eine Institution. „Ruth hat die Kaffeekultur in Hurghada geprägt“, sagt eine Besucherin. „Bei ihr gab es die erste Latte Macchiato. Und hier bekommt man das, was wir Europäer unter einem guten Kaffee verstehen.“ Viele der in Hurghada lebenden Ausländer treffen sich im Il da Capo. Man tauscht sich aus, die Neulinge erhalten Tipps, wo und wie sich welche Dinge regeln lassen, in welchen Supermärkten man deutsche Produkte kaufen kann und vieles mehr. „Das Café ist sozusagen der Dorfbrunnen für uns in Hurghada“, sagt eine Deutsche.

Doch nicht nur die ortsansässigen Ausländer treffen sich hier. Touristen und Ägypter zählen ebenfalls zu den Gästen. Die einen schwelgen in Brezeln, Leberkässemmeln und selbst gebackenem Kuchen, die anderen kommen zum Frühstück vorbei oder auf eine Tasse Kaffee nach einem anstrengenden Shoppingausflug. Die Moslems können sicher sein, dass die Speisen bei Ruth „Halal“ sind, das heißt, was den Koran betrifft korrekt hergestellt. Alkohol gibt es nicht im Il da Capo, dafür Eis, das man bedenkenlos essen kann, frisch gepresste Säfte, Milchshakes, Kaffeespezialitäten, leckere Salate und Käsespätzle. Nicht zu vergessen die herzliche Betreuung durch Ruth.

El Dahar

El Dahar – das alte Hurghada

Das alte Hurghada ist nicht unbedingt malerisch. Auch hier gibt es ein Müllproblem, viele Menschen sind arm und haben keine Arbeit. Aber ein Besuch lohnt sich: im Souk, in der großen Moschee, bei der Bäckerei Al Zahraa, beim Grill-Spezialisten El Taybeen und im so genannten Handwerkerviertel.

Es gibt einen Souk, der eher auf Touristen ausgelegt ist und einen für die Einheimischen. Ägyptische und westliche Mode kann man dort ebenso kaufen wie Strandbekleidung und Souvenirs, Wasserpfeifen, die obligatorischen Leder-Kamele und Gewürze werden angeboten. Am buntesten und lebhaftesten erlebt man den Markt am Abend, wenn auch die Einheimischen einkaufen.

Gewürzhändler

Das Handwerkerviertel mag am Abend etwas bedrohlich erscheinen. Tatsächlich geht es dort sehr friedlich zu. Die Gassen sind eng und nur mäßig beleuchtet. Es gibt kleine Supermärkte und Cafés, in denen sich abends die Männer zu Tee oder türkischem Kaffee oder auch einer Wasserpfeife treffen. Viele von ihnen tragen das traditionelle Gewand, die Galabeya, in braun, grau oder weiß. Mancher lässt sich den Tee mit seinen Gästen sogar vor der eigenen Haustür auf dem Bürgersteig servieren. Das Café liefert dazu auch die Stühle und einen Tisch. Die Läden und Werkstätten sind bis spät in die Nacht geöffnet. Es gibt Reparaturwerkstätten für Autos, Motorräder, Haushaltsgeräte und Klimaanlagen, Schuster und Schneider. Die Kinder spielen auf der Straße, aus den Häusern dringen Gespräche, der Fernseher oder Musik. In kleinen Läden gibt es alles, was die Menschen fürs tägliche Leben brauchen, von Haushaltsgegenständen über Obst und Lebensmittel bis hin zu Gewürzen. Europäer, die hier spazieren gehen, werden vielleicht beobachtet, aber keinesfalls unfreundlich behandelt, sofern die Damen nicht gerade im Minirock und einem Ausschnitt bis zum Knie unterwegs sind. Ein bisschen anpassen sollte man sich den Gepflogenheiten schon.

Al Zahraa

Paradies für süße Zähne

Die Familienbäckerei Al Zahraa hat ihr Hauptgeschäft mitten in Dahar. Wer erwartet, hier nur Fladenbrot zu finden, wird enttäuscht. Die Bäckerei ist vor allem ein Eldorado für salziges und süßes Gebäck, Sesamstangen, Dattelgebäck, Kuchen, Petits Fours und Torten. Die Schwarzwälder Kirschtorte sieht aus wie gemalt, der Erdbeerkuchen mit den zu einer Pyramide aufgeschichteten Früchten lässt keine Wünsche offen. Gleich daneben warten zierliche Petits Fours mit Mandeln, Nüssen, Kokos und Feigenmus auf ihre Käufer. Die kleinen Leckerbissen kann man auch verpackt im Sortiment kaufen. Mit ein bisschen Glück erlebt man, wie jemand eine große Hochzeitstorte oder einen üppig verzierten Schokoladenkuchen abholt – wahre Kunstwerke. Auch die Ausstattung des Ladens ist sehenswert. Rechts vom Eingang an der Wand sind in einem Regal die Kunstwerke aufgebaut, in denen Pralinen verschenkt werden: silberne, glitzernde Blütenträume, jede Praline einzeln verpackt als ein Teil der Blüte. Im Al Zahraa hat man sich inzwischen dran gewöhnt, dass staunende Fremde die Bäckerei besuchen. Man darf sogar fotografieren. Das Personal freut sich, wenn man vorher fragt und lässt sich auch gerne einmal in ein Gespräch verwickeln, sofern Zeit ist, so wie Ashraf Mohamed, der gerne wissen möchte, aus welchem Land die Besucher kommen, und sich selbst dann vorstellt mit den Worten: „Ashraf Mohamed, made in Egypt.“

Besuch beim Grill-Champion

Fischrestaurant

Als bestes Grill-Restaurant in Dahar gilt El Taybeen. Wie die meisten ägyptischen Restaurants ist auch dieses schmucklos mit einfachen Tischen und Stühlen ausgestattet. Hier essen Familien, Frauen und Männer. Viele holen sich auch nur Fleisch und bereiten den Rest des Essens zuhause zu. Ob gegrilltes Hähnchen, Rind, Lamm oder auch Leber – das Fleisch ist immer von ausgezeichneter Qualität und genau richtig gegrillt – nicht zu fett, nicht zu trocken, einfach gut. Dazu gibt es die üblichen Gerichte wie Reis, Salat mit frischem Koriander oder auch überbackene Nudeln. Wie in allen ägyptischen Restaurants bleibt man auch hier nach dem Essen nicht sitzen, sondern zahlt und geht. Vielleicht in eines der Cafés. Der frisch zubereitete Tee schmeckt immer und tut nach dem Essen ähnlich gut wie ein Espresso. Mit ein paar Blättern frischer Minze wird er noch besser.

Moschee
Frischer Fisch und Meeresfrüchte

Voller Leben ist das Viertel Saqala. Gegenüber der Moschee und des Fischrestaurants El Mina, etwa zwischen Hafen und Saqala Square, erscheint etwas düster-bläulich die Stahltür des Fischrestaurants Hefny. Auch innen leuchtet es blau. Die Bullaugen an den Wänden sind mit Motiven und Tieren aus dem Meer verziert. Ansonsten kommt das Restaurant ähnlich schmucklos daher wie das El Taybeen. Doch Fisch und Meeresfrüchte sind ausgezeichnet.

Man sollte sich für Fisch und Meeresfrüchte zum Kilopreis entscheiden. Den Fisch kann man selbst aussuchen. Die in Gemüse gegarten Riesengarnelen sind ein Gedicht, die Tintenfischringe zart und saftig. Dazu roten Reis und Joghurtsalat (Joghurt mit klein geschnittener Gurke). Unbedingt dazu gehört auch die Tahina, eine Soße auf Basis von Sesampaste, verfeinert mit Essig, Öl und Gewürzen oder – für die Mutigeren – Baba Ganou. Diese Soße hat als Basis die Tahina und wird mit Aubergine, Kräutern und sehr viel Knoblauch zubereitet.

Der Fisch wird auf heißer Flamme gegrillt. Die schwarze verbrannte Haut lässt sich leicht ablösen. Innen ist der Fisch zart und perfekt im Geschmack. Das Publikum ist im Hefny gemischt, Ägypter, Touristen und in Hurghada lebende Ausländer geben sich hier ein Stelldichein.

Fischrestaurant

Mit Luxus haben alle Empfehlungen nicht viel zu tun. Sie sind eine Ermutigung für einen Ausflug in das ägyptische Leben von Hurghada, für ein kleines Abenteuer, einen Abstecher in eine andere Welt. Und man kann sich ja danach wieder in die vertraute Umgebung der Luxushotels zurückziehen und erholen.

Was man beachten sollte: angemessen Kleidung tragen, nicht mit Schmuck und Geld protzen, ägyptische Pfund dabei haben und den Namen des Hotels, in dem man wohnt.


 

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