Geschrieben von: Andrea Przyklenk   

Hautvillers – Wiege des Champagners

In der Rue du Dom Pérignon
wird an den Benediktinermönch erinnert.

Bild: PKP

Wer Champagner liebt, sollte den kleinen Ort Hautvillers in der Nähe der Champagner-Hochburg Epernay unbedingt einmal besucht haben. Hier mischen sich Legende und Wahrheit über die Entstehung des beliebten prickelnden Getränks zu unzähligen spannenden Geschichten. Michel Mermillod, unser Führer in Hautvillers und vor seinem Ruhestand verantwortlicher Exportleiter eines Champagnerhauses, kennt sie alle und erzählt gerne.

Die wichtigste Geschichte ist die von Dom Pérignon, der Mönch, der angeblich den Champagner erfunden hat. Seine Grabplatte findet man in der Abteikirche von Hautvillers. Die Abtei selbst kann man nicht besichtigen. Sie befindet sich seit der Revolution im Privatbesitz des Champagnerhauses Moet & Chandon.

Michel Mermillod vor dem „Morgen-Gebet“.

Bild: PKP

„Ich trinke Sterne“

Monsieur Mermillod gibt zu, dass man heute nicht gesichert sagen kann, wer damals im 17. Jahrhundert was erfunden hat. Es sei auch nicht wirklich zu beweisen, dass der Benediktinermönch Dom Pérignon tatsächlich ausgerufen habe „Komm schnell, ich trinke Sterne“, als er zum ersten Mal Champagner kostete. „Tatsache ist aber“, so der Kenner, „dass Hautvillers am Jakobsweg liegt. Schon damals kamen viele Pilger durch den Ort. Sie alle hatten Trinkflaschen dabei. Bei ihnen entdeckte der Mönch vermutlich das Material Kork als Flaschenverschluss. Das große Verdienst von Dom Pérignon ist es, dass er die Verarbeitung der Trauben zu Champagner genau studiert und systematisiert hat.“

Auf den Spuren von Dom Pérignon

Der Champagner ist allgegenwärtig.

Bild: PKP

Hautvillers mit seinen 860 Einwohnern ist ein beschaulicher Ort, zumindest während der Woche. Pro Jahr flanieren immerhin etwa 150.000 Touristen durch die engen Gassen. 60 Winzerfamilien bewirtschaften 275 Hektar Weinberge. Überall im Ort geht es um den Wein bzw. den Champagner. Die Bar am Hauptplatz des Dorfes, gegenüber dem Tourismusbüro, zeigt links und rechts des Eingangs in Bildern die Stationen des Weinbaus und der Champagnerherstellung. Ein ähnliches Motiv findet sich in der Rue de la Hubarde am Haus von Champagne Brosser. Bei Champagne Pierrot weist das Auslegerschild in Form eines Eiffelturms mit Weinblättern darauf hin, dass der Winzer eine Frau aus Paris geheiratet hat.

Champagner trinken, nicht Wasser!

Bild: PKP

Michel Mermillod kennt die Geschichte jedes einzelnen Hauses und Schildes und natürlich gibt es noch viele zusätzliche Histörchen über den Champagner. „Früher war es üblich, den Babys ein bisschen Champagner auf die Lippen zu träufeln“, erzählt er, „um ihnen die Liebe zu diesem Produkt mitzugeben. Im ältesten Haus des Dorfes in der Rue de Bacchus soll sich König Henry IV. des Öfteren mit jungen, schönen Mädchen getroffen haben. Am Place de la Fontaine (Brunnenplatz) findet sich der älteste Weinstock von Hautvillers.

Schätze in der Kirchenmauer

In der Abteikirche von Hautvillers
ist Dom Pérignon begraben.

Bild: PKP

Natürlich gibt es auch zur Abteikirche einige Geschichten. Zwei davon gefallen Michel Mermillod am besten, und sie sind auch noch wahr. Die eine erzählt er, als wir die Tür zur Kirche öffnen und uns gregorianische Gesänge entgegenschallen und wir innehalten. „Als unser Bürgermeister einmal mit Gästen in die Kirche gehen wollte, saßen vor der Kirche auf der Bank vier ältere Herrrschaften. ‚Sie sollten jetzt nicht hineingehen’, rieten sie dem Bürgermeister. ‚Die Mönche sind noch am Beten.’ Der Bürgermeister war sehr erstaunt. Schließlich gibt es in Hautvillers schon lange keine Mönche mehr“, schmunzelt Mermillod. „Sie können ruhig hineingehen. Der Gesang kommt aus der Konserve.“

Aufwändige Schilder an den Häusern
weisen auf das Gewerbe der Bewohner hin.

Bild: PKP

Die zweite Geschichte erzählt er uns, als wir wieder draußen stehen. Hautvillers hat viele Partnerschaften mit anderen Weinbaugemeinden in aller Welt. Die Partnerschaft mit dem deutschen Kiedrich war zufällig die 1.000ste deutsch-französische Städtepartnerschaft. „Deshalb wollte man etwas Besonderes tun“, erzählt Mermillod. „In die Kirchenmauer wurden deshalb damals vor über 25 Jahren eine D-Mark, 1 Französischer Franc, eine Flasche Wein, eine Flasche Champagner und der Partnerschaftsvertrag eingemauert. Ich bin gespannt, was die Archäologen kommender Zeiten dazu sagen werden.“

Tipp: Champagnerverkostungen in Hautvillers sind fast immer möglich, sollten aber beim Tourismusbüro angemeldet werden. In einigen Läden, die Champagner verschiedener Häuser verkaufen, ist eine Anmeldung nicht unbedingt nötig. An den Wochenenden kann es ziemlich voll werden in Hautvillers.

www.hautvillers.fr, www.franceguide.com

 
nach oben

Bookmark Deluxe

Luxus-Momente als Lesezeichen speichern.
Wir haben 9 Gäste online

Luxus-Magazin - Archiv

Luxus-Momente mit Freunden teilen