Geschrieben von: Andrea Przyklenk   

Frauenpower im Weingut Blankenhorn
Perlen aus dem Markgräfler Land

Die gemütliche-schicke Gutsschänke.

Bild: Weingut Blankenhorn

1857 ersteigerte Johann Friedrich Blankenhorn im südbadischen Schliengen die Poststation samt der zugehörigen Tonnen- und Kreuzgewölbekeller und legte damit den Grundstein für das Weingut Blankenhorn. Heute ist es nicht nur für die herausragende Qualität seiner Weine bekannt, sondern auch wegen der Chefin, Roy Blankenhorn, die als erste Frau an der Spitze eines Weinguts steht und es mit nachhaltigem Erfolg führt.

Bereits Roys Vater Klaus war bekannt für Mut und Können. Schließlich schrieb er ein Stück Markgräfler Weingeschichte, als er als erster Winzer die Weinbergböden begrünte. Noch unter seiner Führung wurde das Gut 1986 in den Verband deutscher Prädikatsweingüter (VDP) aufgenommen, der bis heute in Baden lediglich 15 Mitglieder zählt.

Gutschefin Roy Blankenhorn
ist selbstbewusst und polarisiert.

Bild: Weingut Blankenhorn

Alles für die Qualität

Roy Blankenhorn hat eine Winzerlehre gemacht, das Studium der Weinbautechnik hinter sich gebracht, war Badische Weinkönigin und Deutsche Weinprinzessin – beste Voraussetzungen für die Chefin eines Weinguts. Zusammen mit ihrem Kellermeister Frank Schmid folgt sie einer ganz klaren Linie, und die heißt Qualität. In einem Interview hat sie eindrücklich beschrieben, dass die Qualität eben nicht nur von der Traube und den Fähigkeiten des Kellermeisters abhängt, sondern ebenso von der Sorge um den Boden und die Rebe.

Auf rund 25 Hektar tiefgründigen und wärmespeichernden Lehm- und Kalk-Mergel-Böden mit hohem Tonanteil werden im zehnjährigen Schnitt nur 65 Hektoliter Wein pro Hektar produziert. Der Gutedel mit 30 Prozent dominiert, gefolgt vom Spätburgunder. Weiß- und Grauburgunder, Riesling und Chardonnay werden nur in geringen Mengen angebaut. 2007 fanden drei Weine des Weinguts Blankenhorn besondere Beachtung. Die Weiße Burgunder Spätlese, deren Komplexität und Facettenreichtum immer wieder neue, unerwartete Eindrücke erzeugen. Der Graue Burgunder Kabinett, überragend vielschichtig und vollmundig mit fast endlosem Abgang. Und natürlich der Gutedel Kabinett, das Markgräfler Gewächs par excellence, von unnachahmlicher Eleganz und Leichtfüßigkeit.

Verkosten, speisen, träumen

Roy Blankenhorn lädt zu Weinbergwanderungen ein.

Bild: Weingut Blankenhorn

Alle Produkte des Weinguts Blankenhorn kann man in der Probierstube testen. Eine verführerische Alternative zur reinen Verkostung ist ein Besuch in der Gutsschänke, direkt im traditionsreichen Gemäuer des Weinguts. Im Sommer kann man unter Ginkgo- und Kastanienbäumen genießen und dabei herrlich träumen; im Winter im gemütlichen Balken- und Torbogenraum.

Seit Sommer 2008 führen Sascha Hilsenbeck und Agnes Scheiza die Gutsschänke. Während sie für den Service zuständig ist, führt er in der Küche das Kommando. Oberste Maxime: Keine Convenience-Produkte. Gekocht wird mit regionalen Erzeugnissen mit saisonalen Schwerpunkten, gut bürgerlich ambitioniert. Sonntags gibt es auf jeden Fall Braten.

Sascha Hilsenbeck und Agnes Scheiza
führen seit Sommer 2008 die Gutsschänke.

Bild: Weingut Blankenhorn

Die jungen Pächter haben in renommierten Häusern gelernt und gearbeitet. Agnes Scheizas letzte Station war das Römerbad in Badenweiler. Der Hotelfachmann und –betriebswirt Hilsenbeck kann auf Erfahrung im Sheraton in Bad Tölz und Hannover verweisen, im Ritz Carlton und Mövenpick in Wolfsburg, im Kempinski in München und im Restaurant zur „Alten Post“ in Müllheim. Mit der Gutsschänke realisieren die beiden ihr erstes eigenes Gastronomieprojekt. Ihr erklärtes Ziel ist es, „das gastronomische Angebot auf das Niveau der Bankenhorn’schen Weine zu heben“.

Blankenhorn und Aldi?

Der Gutedel ist typisch für das Weingut.

Bild: Weingut Blankenhorn

Im Frühjahr 2009 hat sich die eigenwillige Chefin des Weinguts einmal mehr polarisiert: Blankenhorn ist das erste Weingut, das einen Rotwein mit VDP-Gütesiegel an den Discounter Aldi liefert. Ihren Kritikern hält sie entgegen, dass man Tradition nicht mit Stillstand verwechseln dürfe: „Genauso wie beim Anbau und beim Ausbau muss es auch beim Vertrieb eine stetige Entwicklung und Verbesserung geben.“

Der Spätburgunder lohnt eine Verkostung.

Bild: Weingut Blankenhorn

In einem Interview entkräftete Roy Blankenhorn das Argument, Eliteriege VDP und Discounter passten nicht zusammen mit den Worten: „Meine Lieferung an Aldi stammt von den gleichen Reben und aus den gleichen Fässern wie die Lieferung an jeden anderen Kunden. Was die Qualität von Aldi anbelangt: Ich habe persönlich die unglaublich strengen Auswahlkriterien kennen gelernt.

Wie beim VDP auch, empfinde ich es als große Ehre für mein Produkt, diese Anforderungen zu erfüllen.“ Aldi verkauft außerdem zu regulären Blankenhorn-Preisen, so dass Fachgeschäfte keine Angst haben müssen, dass man ihnen über den Preis Kunden abwirbt. Zudem, so Blankenhorn, seien die Kontingente für Aldi knapp bemessen. Es handle sich um einen neuen, zusätzlichen Vertriebsweg. Das Abnahmepotenzial von Aldi sei eine Chance für eine Vielzahl von Weingütern.

Tipp:
Am 23. August um 14 Uhr findet eine Weinbergswanderung mit Roy Blankenhorn statt. Ein Vesper gehört dazu. Mehr Informationen auf der Website.

www.gutedel.de

 
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