Geschrieben von: Andrea Przyklenk   

Wohnmobile:
Luxus auf der Straße

Nicht so gefällig, dafür Off-Road- und Expeditionstauglich.

Bild: Unicat

Wer Camping schrecklich findet und die Aussicht auf eine Nacht im tropfenden Zwei-Mann-Zelt als Horrorvision, der wird sich angesichts der Luxus-Wohnmobile von „Volkner mobil“, „Variomobil“, „Unicat“ und anderen sicher eines besseren belehren lassen. Denn das, was da mit über zehn Meter Länge, bis zu 45 Quadratmeter Wohnfläche und mehreren hundert PS über die Straße rollt, gleicht eher einem Palast auf Rädern denn einem Camper. Wer solch einen Luxusschlitten fährt, braucht nicht einmal auf die Garage für den Porsche zu verzichten. Sie ist selbstverständlich integriert.

Volkner hat sich den PKW-Mitteleinzug patentieren lassen.

Bild: Volkner mobil

Was Cleopatra liebte

Die Reichen und Mächtigen dieser Welt machten schon früh vor, wie sich das Reisen von beschwerlich in luxuriös verwandeln lässt. Cleopatra benutzte zur Vogeljagd einen Wagen, der mit Lagerstatt und Sonnenzelt ausgestattet war. Napoleon lenkte seine Schlachten gerne aus der rollenden Kutsche, die die Engländer dann bei Waterloo erbeuteten. Man kann sie heute bei Madame Tussaud bewundern. Dichterfürst und Staatsmann Johann Wolfgang von Goethe ließ für seine Reisen eine Pferdekutsche nach seinen Bedürfnissen ausbauen. Angesichts der heutigen Luxusliner würde aber sogar die verwöhnte Cleopatra staunen.

Nasszelle mit Waschmaschine.

Bild: Volkner mobil

Mit den Multifunktionsräumen aus den Anfängen des Wohnmobils haben die heutigen Giganten nur wenig zu tun. Wie eine Wohnung verfügen sie über Schlaf-, Wohn-, Esszimmer, Küche und Bad. Ausfahrbare Erker vergrößern die Wohnfläche. Satellitenfernseher, DVD-Player, Hifi-Anlage, Heizung, Klimaanlage, voll ausgestattete Küche, elektrische Gardinen, automatisch ein- und ausfahrbare Markisen, Kamin und Wellnessecke, alle Funktionen vollelektronisch gesteuert, sind in den Luxus-Wohnmobilen Standard.

Off Road durch die Welt

Zimmerfluchten auf kleinstem Raum.

Bild: Volkner mobil

Mittlerweile werden die Reise-Giganten sogar Off-Road-tauglich angeboten, zum Beispiel von Volkner in Wuppertal. Die zahlungskräftige und anspruchsvolle Klientel macht mit ihren rollenden Heimen schließlich nicht nur Reisen in den Schwarzwald, sondern begibt sich auf Touren quer durch die USA oder Australien oder gar auf Weltreisen. Die Off-Roader unter den Giganten – natürlich mit Allradantrieb – kommen abseits befestigter Straßen voran, schaffen steile Böschungen, Steigungen von 110 Prozent und können auch mal durch Wüstensand pflügen. Sollte es doch mal eng werden, hilft ein kräftiger Anhängebock für die Seilwinde. So kann sich das Gefährt an den eigenen Haaren – pardon: der eigenen Stoßstange – aus dem Dreck ziehen.

Innovationen für den Kunden

Natürlich ist in diesem Geschäft Individualität oberste Priorität. Die Hersteller fertigen exakt auf Kundenwunsch. Volkner zum Beispiel verfügt über eine eigene Schreinerei, Polsterwerkstatt, Lackiererei, eine Fachabteilung für Elektronik und Elektrik, den Sanitärbereich und eine Schlosserei. Man arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit CAD-gestützter Konstruktion – traditionelles Handwerk gepaart mit modernster Fertigungstechnik.

Intelligente Platz-Ausnutzung.

Bild: Unicat

Die Konzentration auf Kundenwünsche führt zu immer neuen Innovationen wie dem patentierten PKW-Mitteleinzug. Zusätzlich zum Auto können auf dem elektrohydraulisch ausfahrbaren PKW-Einzug auch Fahrräder, Tische und Stühle untergebracht werden. Am Urlaubsort kann die geflieste Plattform als Terrasse genutzt werden. Bei Bedarf natürlich mit Fußbodenheizung. Ähnlich innovativ war vor fast 20 Jahren die Einführung des Brain Pilot bei Volkner. Über einen Zentralrechner werden alle Bordsysteme überwacht und gesteuert. Heizung, Füllmengen der Tanks, Stromversorgung, Generatoren, heute mit Touchscreen, falls sich der Besitzer zum Eingreifen veranlasst sieht.

Basis für die Riesen-Trailer sind Bus- oder LKW-Chassis. Bei manchen Herstellern kauft der Kunde eine LKW-Zugmaschine, die dann entsprechend umgebaut wird. Die nicht benötigten Teile werden wieder verkauft. Am Schluss erinnert im Innenraum nichts mehr an den LKW. Natürlich benötigt der Kunde dann auch einen LKW-Führerschein. Auch dabei wird er vom Hersteller begleitet und beraten. Jeder Kunde bekommt so seine individuelle Lösung auf Rädern.

Die Fahrerkabine ähnelt fast einem Cockpit.

Bild: Unicat

Preise wie fürs Eigenheim

Manche Unternehmen wie Variomobil in Bohmte bieten die Luxus-Gefährte schon ab 170.000 Euro an, aber, so Geschäftsführer Frank Mix: „Oft bewegt es sich in dem Bereich zwischen 300.000 und 350.000 Euro.“ Ralph Binder, Sprecher des Caravan Industrie Verbandes Deutschland erklärt, die Oberklasse des mobilen Reisens beginne bei etwa 100.000 Euro, könne aber durchaus bis über eine Million Euro gehen. Riesige Stückzahlen bringt der Markt nicht – 2008 wurden vom Kraftfahrtbundesamt insgesamt 20.921 Reisemobile neu zugelassen. Der Anteil der Fahrzeuge über sieben Tonnen bewegt sich nach Angaben des Verbandes bei unter einem Prozent.

Wer sich bei Unicat in Dettenheim in der Nähe von Karlsruhe ein Fahrzeug bauen lässt, muss mit 300.000 bis 700.000 Euro rechnen. Das Unternehmen stattet auch Expeditionen mit geeigneten Fahrzeugen aus. Unicat-Geschäftsführer Thomas Ritter kennt Leute, die auf „ihr“ Wunschfahrzeug zehn Jahre sparen. Doch damit erfüllen sich viele Menschen nicht nur den Traum vom luxuriösen und komfortablen Reisen, sondern auch die Sehnsucht nach Abenteuer.

 
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