Havanna-Lifestyle von früher,
Schweizer Präzision von heute
Ausdrucksstarke Armbanduhren von Cuervo y Sobrinos
Cuervo y Sobrinos – eine traditionsreiche Luxusmarke aus dem vorrevolutionären Kuba – feierte vor einigen Jahren eine bemerkenswerte Renaissance in der Schweiz. Mit außergewöhnlichen Uhren will das Unternehmen nun verstärkt Freunde edler Zeitmesser in Deutschland und Österreich begeistern. Zigarrengenießer wird es freuen: Zu jeder Uhr von Cuervo y Sobrinos gibt es einen Humidor.
Prominente
Zeitgenossen mit revolutionären Genen verbinden mit der Karibikinsel Kuba vor allem den Maximo Lider Fidel Castro und seinen einst im Westen von weltanschaulich entsprechend disponierten jungen Menschen gefeierten Mitstreiter Che Guevara. Connaisseurs hingegen denken an würzige Havanna-Zigarren und an hochwertigen Rum, selbst wenn beide Produkte in den zurückliegenden Jahren deutlich an Qualität einbüßten und die wirklich gute Ware für Tabak- und Spirituosengenießer schon seit einiger Zeit aus der Dominikanischen Republik kommt.
Zigarren und Rum kubanischer Provenienz – soweit, so gut. Aber Uhren ausgerechnet aus dem Land des Salsa-Kommunismus? Zeitmesser von Poljot aus Russland und Seagull aus China sind Uhrenfreunden natürlich bekannt, aber was kann da schon aus Kuba kommen? Die Antwort ist einfach: Tradition, Lebenskultur und Eleganz, wie sie in der Zeit vor der Revolution das Leben in der mondänen Metropole Havanna prägten. Die Uhren mit dem Hinweis „Habana“ auf dem Zifferblatt hingegen kommen nicht aus Kuba, sondern aus der Schweiz. Und um ganz präzise zu sein: Sie werden weitgehend in der Villa la Casa in Lugano gefertigt. Dort ist Cuervo y Sobrinos zu Hause – ein Unternehmen mit kubanischen Wurzeln, einem italienischen Eigentümer und einem Schweizer Firmensitz.
Vielen Uhrenfreunden in Deutschland mag dieser Markenname kaum bekannt sein, immerhin sind die alten Zeitmesser, die noch vor Fidel Castros Revolution auf die internationalen Märkte kamen, schwer erhältlich. Lediglich bei Sammlern in Spanien, Italien und in den USA wurde man in den vergangenen Jahren ab und zu fündig. Oft handelt es sich bei diesen Cuervo y Sobrinos-Modellen um Uhren, die in Zusammenarbeit mit anderen Herstellern entstanden sind. Eine gut erhaltene Cuervo aus den 1950er Jahren ist heute mindestens ein paar hundert Euro wert, in der Spitze sogar einige zehntausend Euro.
Statt „Mainstream-Ticker“ –
Uhren mit Charakter
Prominente-Dualtime
Der Bekanntheitsgrad dieser Marke in Deutschland und Österreich dürfte in den nächsten Monaten und Jahren jedoch steigen. Das jedenfalls hofft Egbert Klapper, Geschäftsführer der Cuervo y Sobrinos Vertriebs GmbH im hessischen Obertshausen, der die gleiche Funktion bei Michel Herbelin bekleidet. Über eine Reihe von ausgewählten Konzessionären wird er künftig in der Bundesrepublik und in Österreich die neuen Uhren von Cuervo y Sobrinos verkaufen. Jene Zeitmesser also, die in der Schweiz entstehen und das Lebensgefühl in der kubanischen Hauptstadt während der goldenen Dekaden zwischen 1880 und 1940 wiedergeben. Es sind ungewöhnliche Uhren, in der Tat. Keine Mainstream-Ticker, die aufgrund ihres uniformen Aussehens kaum noch voneinander zu unterscheiden sind. Manche Uhren beantworten die unterschiedlichen Design-Vorlieben einer globalisierten Welt gleichsam mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner: Sie gefallen irgendwie jedem ein bisschen, aber keinem so richtig gut.
Bei den Nobeltickern von Cuervo y Sobrinos ist das anders. Sie entfachen entweder Leidenschaften – oder rufen Skepsis hervor. „Unsere bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass diese Uhren auf dem deutschen und österreichischen Markt entweder mit Begeisterung aufgenommen werden, oder aber mit Zurückhaltung“, berichtet Egbert Klapper. Was zumindest beweist, dass die Cuervo y Sobrinos-Modelle Emotionen hervorrufen. Und genau darauf kommt es bei Uhren der Spitzenliga an – neben den uhrmacherischen Finessen, der sehr aufwändigen Dekoration und Ausgestaltung der Werke bis hin zu eigenen Modulen sowie den verarbeiteten Materialien entscheiden Emotionen über die Intensität der Begierde.
Pirata
Alles an diesen Uhren ist außergewöhnlich, das beginnt bereits bei den Namen der Modellreihen: Sie heißen wie bekannte Zigarrenformate, nämlich Torpedo, Robusto, Prominente und Esplendidos. Zigarrenraucher unter den Uhrenfreunden profitieren beim Kauf einer Cuervo y Sobrinos sozusagen von einem synergetischen Effekt – sie erhalten einen edlen Humidor als Uhrenbox. Wer sich für den Bestseller „Torpedo Pirata“ entscheidet, bekommt sogar einen Humidor in Form einer voluminiösen und edel beschlagenen Schatztruhe. Die „Pirata“ steht beispielhaft für die Philosophie von Cuervo y Sobrinos, weil sie aus dem Rahmen fällt, ganz einfach anders ist und von der Individualität ihrer Träger zeugt. Lünette und äußerer Bodenring bestehen aus Bronze (!), der Gehäusemittelteil aus Titan, Boden, Bandanstöße, Drücker und Krone aus Edelstahl. Wer es noch feiner möchte, kann sich für die Variante mit Lünette und Bodenring aus Gold entscheiden. In der „Torpedo Pirata“ ticken Automatikwerke von ETA und Valjoux sowie das Cuervo-Kaliber CyS 3050, das ebenfalls auf dem bewährten Valjoux 7750 basiert. Den Zeitmesser gibt es als Drei-Zeiger-Uhr („Solo Tiempo“) sowie mit unterschiedlichen Komplikationen, wie zweiter Zeitzone (GMT) und Chronographen-Funktion mit Day Date-Anzeige und Mondphase. Entsprechend liegen die Preise zwischen 3000 und 6500 Euro, für die Goldmodelle muss man mit über 13.000 Euro rechnen.
Cuervo y Sobrino-Uhren
heißen wie Zigarren-Formate
Nicht nur wegen ihres ausgefallenen Designs sorgt die Modellreihe „Prominente“ für Aufsehen. Die Uhren in ihren länglich-eckigen Gehäusen und ihrer Art Déco-Anmutung haben zudem ein bemerkenswertes Innenleben. In der „Prominente Dualtime“ ticken gleich zwei Werke – beide aus der Valjoux-Familie. Die ebenfalls rechteckige Modellreihe „Esplendidos“ ist mit ihrer avantgardistischen Optik ein Leckerbissen für Design-Freunde. Das dürfte besonders für die „Esplendidos 1882“ gelten. Sie zeigt nicht nur das Datum, sondern auch die Stunden und Minuten auf Scheiben an.
Eher klassisch-elegant sind die Robusto-Modelle, darunter ein Chronograph mit ETA-Werk und zusätzlichem Dubois-Dépraz-Modul. Bei dieser Uhr verweist ein Zeiger auf die jeweilige Mondphase. Zur Robusto-Familie gehört ferner der „Chrono Edition Tour de Espana 2006“ mit Tachymeter-Funktion, ein Reverenzerweis an das von Cuervo y Sobrinos gesponserte spanische Oldtimerrennen. Im Jahr 2007 kam die „Robusto Tourbillon“ in Roségold auf den Markt, allerdings auf gerade einmal acht Exemplare limitiert. In das auf 50 Stück begrenzte Modell „Historiador“ schalt Cuervo y Sobrinos Venus-Vintage-Werke ein.
Extravagant - eine CyS in Roségold-Gehäuse.
Was aber wäre eine Marke ohne Geschichte, die ebenso außergewöhnlich ist wie das Produkt? Im Fall von Cuervo y Sobrinos ist es die große Geschichte der Karibik-Metropole Havanna mit ihrem luxuriösen Lebensstil, die einst nicht nur auf die Bohéme wirkte wie ein Magnet. Und es ist die Geschichte zweier Männer: Da war zum einen Don Armando Rio y Cuervo, der zusammen mit seinen Brüdern das von seinem Onkel Ramón 1882 gegründete Schmuck- und Uhrenunternehmen erfolgreich ausbaute. Persönlichkeiten wie Ernest Hemingway, Winston Churchill und Albert Einstein sollten später zu den Kunden von Cuervo y Sobrinos zählen – ein Name, der bald für Luxus schlechthin stand. Damals redete zwar noch niemand von Globalisierung, doch das Unternehmen in Kuba handelte schon entsprechend und eröffnete Niederlassungen in Paris, Pforzheim und La Chaux-de-Fonds. Dann freilich kamen die Revolution und die Verstaatlichung des privaten Grundbesitzes. Für Cuervo y Sobrinos bedeutete dies das wirtschaftliche Aus.
Vielleicht wäre dieser Markenname für immer Geschichte geblieben, wäre da nicht der zweite Mann, der viele Jahrzehnte später eine wichtige Rolle in der Unternehmensgeschichte spielen sollte: Marzio Villa, der Luxusuhren im gesamten südeuropäischen Raum vertreibt, entdeckte auf einer Reise nach Havanna im Jahr 1997 die ehemalige Boutique von Cuervo y Sobrinos und kaufte kurzentschlossen die Markenrechte. Fünf Jahre später wurde die Marke zunächst in Italien und Spanien neu lanciert, im Jahr darauf, als das Unternehmen erstmals auf der Uhrenmesse Baselworld ausstellte, kamen weitere Märkte hinzu.
Aber auch an ihrer "Geburtsstätte" ist die Marke wieder vertreten: In Havanna entstand das Cuervo y Sobrinos-Museum mit eigenem Shop, der unlängst eröffnet wurde. Die Revolution mag bisweilen ihre Kinder fressen, aber nicht die Freude der Menschen an Edlem und Schönem. |