Geschrieben von: Andrea Przyklenk   

Traum aller Cafe Racer:
Little Miss Dynamite

Bild: Stonebridge Motor Co.

Nicht-Motorradfahrer werden wohl kaum wissen, was ein Cafe Racer ist. Die in den 60er-Jahren aufgekommene Bezeichnung stand für ein individuell umgebautes Motorrad. Meistens handelte es sich um tief geduckte Maschinen mit Stummellenkern und offenen Schalldämpfern. Sie wurden aufgemotzt bis sie über 100 mph (etwa 160 km/h) fuhren. Schönheit, Schnelligkeit und Wendigkeit waren Trumpf.

Alles Überflüssige wurde abgebaut. Die Fußrasten wurden nach hinten verlegt, so dass der Fahrer tief geduckt saß. Cafe Racer waren ein Lebensgefühl, ähnlich wie der damals aufkommende Rock n’Roll. Als Nachfolger könnte man wohl am ehesten die heutigen „Streetfighter“ sehen.

Die Macher von Little Miss Dynamite:
Mark Wilsmore, George Tsuchnikas und Nick Gale (v.li.)

Bild: Stonebridge Motor Co.

Legende Ace Cafe

Die jungen Motorradfahrer, die Rocker, trafen sich vorzugsweise in den Cafes in den Vororten der Großstädte. Das wohl berühmteste Cafe dieser Art war das Ace Cafe in London. Man fuhr Rennen bis zum nächsten Kreisverkehr und zurück. Das durfte möglichst nicht länger dauern als eine Single-Länge in der Jukebox. Vor dem Cafe standen die Kumpel und kommentierten das Geschehen. Auch heute ist das Ace Cafe wieder eine Institution, sozusagen eine globale.

Wer keine Massenware fährt, muss einmal dort gewesen sein. Jedes Jahr wird die „Reunion“ zelebriert, mit der 1994 begonnen wurde. 2009 findet sie vom 11. bis 13. September statt. Letztes Jahr, zum 70. Geburtstag des Kult-Cafes erlebte es eine Premiere der besonderen Art: vorgestellt wurde der Ace Cafe Racer als Tribut an das Cafe ebenso wie zum 50-jährigen Bestehen der V-Twin-Schmiede S&S. Den Beinamen „Little Miss Dynamite“ erhielt das Gefährt im Gedenken an Marta, eine junge Frau aus dem Ace-Milieu, die bei einem tragischen Unfall mit ihrer 1951er AJS starb.

Bild: Stonebridge Motor Co.

Dynamit unterm Hintern

Haben die Fahrer dieses Bikes wirklich. Nick Gale, Gründer der Stonebridge Motor Company im Londoner Stadtteil Wembley, sozusagen gleich um die Ecke des Ace Cafe, landete einen Paukenschlag.

Unter dem Motto „built in Britain, powered by America“, schuf er mit seinem Team einen Cafe Racer, der Kult werden könnte. Gut aussehend, wendig, mit enormer Kraft und einem Schuss Nostalgie. Herzstück ist der Motor von S&S, Typ Sportster 100 ci mit Ansaugtrakt und Vergaser, gestützt von einem schwarz pulverbeschichteten Stahlrohr-Rückgrat.

Bild: Stonebridge Motor Co.


Der luftgekühlte Viertakt-Zweizylinder-Motor mit 1650 ccm Hubraum bringt bei 5000/min 138 PS auf die Straße. Das ganze in Leichtbau mit nur 195 Kilogramm. Ein Blick auf die technischen Details zeigt dem Kundigen, dass Little Miss Dynamite nicht nur mit den feinsten Komponenten ausgestattet wurde, sondern auch dafür geschaffen wurde, um die Kurven zu flitzen. Ach ja: der „ton“-Ace-Rocker-Jargon für 100 mph – ist für Little Miss Dynamite nur ein Etappenziel.

35.000 Britische Pfund werden als Wert des Cafe Racers genannt. Replikas gibt es mit entsprechend reduzierter Ausstattung ab 25.000 Britische Pfund, also etwa 27.000 Euro. Wer noch schwankt, sollte sich hier das Video anschauen – mit Sound!

 
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